Widerstände im Change verstehen – und gemeinsam produktiv nutzen19 | 06 | 26

Change Poker, Kartenspiel

Das haben wir schon immer so gemacht.

Kaum ein Satz taucht in Veränderungsprozessen häufiger auf. Und kaum ein Satz wird so oft vorschnell als Blockade bewertet. Dabei steckt hinter Widerstand meist etwas anderes: Unsicherheit, fehlende Orientierung oder die Sorge, Bewährtes zu verlieren. Genau deshalb gehören Widerstände zu jedem Change-Prozess – im großen Transformationsprojekt genauso wie bei kleinen Verbesserungen im Qualitätsmanagement.

Wer Veränderungen nachhaltig gestalten will, sollte Widerstände deshalb nicht bekämpfen, sondern verstehen. Denn oft zeigen sie frühzeitig, wo Kommunikation fehlt, Beteiligung zu kurz kommt oder unterschiedliche Perspektiven noch nicht sichtbar geworden sind.

Im Qualitätsmanagement erleben viele Fach- und Führungskräfte genau diese Situationen täglich. Prozesse werden angepasst, Rollen verändern sich, neue Anforderungen entstehen. Veränderung wird damit zum Dauerzustand. Umso wichtiger ist es, Menschen mitzunehmen und Räume für Austausch zu schaffen.

Widerstände sind kein Störfaktor

Veränderungen lösen selten nur Zustimmung aus. Menschen vergleichen Neues mit dem, was bisher funktioniert hat. Sie fragen sich: Was bedeutet das für meinen Arbeitsalltag? Verliere ich Sicherheit, Einfluss oder Orientierung? Diese Reaktionen sind normal.

Gerade im QM-Umfeld zeigt sich häufig: Fachlich gute Lösungen allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, wie über Veränderungen gesprochen wird. Wer frühzeitig zuhört, unterschiedliche Sichtweisen ernst nimmt und transparent kommuniziert, kann viele Konflikte entschärfen, bevor sie eskalieren.

Dafür braucht es keine perfekten Change-Programme. Oft helfen bereits kleine Impulse:

  • offene Fragen statt vorschneller Bewertungen,
  • echtes Interesse an den Perspektiven anderer,
  • verständliche Kommunikation,
  • und die Bereitschaft, auch eigene Annahmen zu hinterfragen.

Veränderung gelingt selten durch Druck. Sie gelingt eher durch Vertrauen, Beteiligung und gemeinsames Lernen.

Warum Reflexion im Change so wichtig ist

Viele Widerstände im Change entstehen nicht aus Ablehnung, sondern aus fehlender Einordnung. Menschen brauchen Orientierung. Sie möchten verstehen, warum eine Veränderung sinnvoll ist und welchen Beitrag sie selbst leisten können.

Hier kommen Reflexion und Dialog ins Spiel. Teams – sowohl jene, die Veränderung aktiv vorantreiben als auch solche, die von Veränderung betroffen sind – profitieren davon, regelmäßig innezuhalten und gemeinsam auf Veränderungssituationen zu schauen:

  • Welche Reaktionen beobachten wir?
  • Wo entstehen Missverständnisse?
  • Welche Sorgen bleiben unausgesprochen?
  • Was können wir im Umgang miteinander verbessern?

Solche Gespräche fördern Empathie und stärken die Zusammenarbeit. Gleichzeitig entwickeln Mitarbeitende ihre eigene Kompetenz im Umgang mit Veränderung weiter – eine Fähigkeit, die in einer dynamischen Arbeitswelt immer wichtiger wird.

Inspiration für den QM-Alltag: Das DGQ Change Poker

Um genau diese Gespräche anzuregen, hat der DGQ-Fachkreis „QM und Organisationsentwicklung“ ein besonderes Karten-Set entwickelt: das „Change Poker“. Es verbindet Impulse aus Change-Management, Kommunikation und Reflexion mit spielerischen Methoden für den Arbeitsalltag.

Die Karten sind in vier Themenfelder gegliedert:

  1. Kreuz steht für Kommunikation,
  2. Pik für Prinzipien und Leitgedanken,
  3. Herz für Mindset und Haltung,
  4. Karo für Zusatz-Infos, Literaturempfehlungen und weiterführende Impulse.

Die Inhalte reichen von kurzen Denkanstößen bis zu konkreten Reflexionsfragen. Manche Karten regen dazu an, Perspektiven zu wechseln. Andere unterstützen Teams dabei, schwierige Situationen gemeinsam zu besprechen oder neue Handlungsoptionen auszuprobieren.

Das Besondere: Das Karten-Set ist nicht als starres Trainingswerkzeug zu verstehen. Es soll Inspiration geben, Gespräche erleichtern und Brücken zwischen Menschen bauen. Die Karten lassen sich flexibel einsetzen – etwa als täglicher Impuls, im Teammeeting, in Workshops oder zur Reflexion konkreter Change-Situationen.

Ein Beispiel: Ein Team zieht morgens gemeinsam eine Karte zum Thema Kommunikation und diskutiert kurz, was der Impuls für den aktuellen Arbeitstag bedeutet. Oder eine Gruppe nutzt mehrere Karten, um typische Widerstände in einem Projekt sichtbar zu machen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.

Veränderung gemeinsam gestalten

Change betrifft nie nur Prozesse. Veränderung betrifft immer auch Menschen. Deshalb braucht gutes Qualitätsmanagement neben Methodenkompetenz auch Sensibilität, Empathie und Kommunikationsfähigkeit. Jede und jeder Beteiligte kann dazu beitragen, Widerstände frühzeitig zu erkennen und konstruktiv anzusprechen. Genau darin liegt die Chance: Widerstände können zum Ausgangspunkt für bessere Lösungen, mehr Beteiligung und nachhaltige Veränderungen werden.

Neugierig geworden? Lernen Sie das DGQ Change Poker des Fachkreises „QM und Organisationsentwicklung“ beim DGQ Qualitätstag am 19. November 2026 in Frankfurt erstmals live kennen und entdecken Sie neue Wege, Veränderung im QM-Alltag gemeinsam zu gestalten.

 

Über den Fachkreis

Der DGQ-Fachkreis „QM und Organisationsentwicklung“ möchte ein ganzheitliches Verständnis von Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung entwickeln. Dazu möchte er klären, welche Themenfelder Organisationsentwicklung umfasst. Gleichzeitig will der Fachkreis zeigen, mit welchen Methoden und Strukturen (Funktionen, Rollen, Aufgaben und Nahstellen) das Qualitätsmanagement einen Beitrag zu diesen Themenfeldern leisten kann.

Bei Interesse an einer Mitarbeit im Fachkreis wenden Sie sich gerne an das Leitungsteam unter fk-oe@dgqaktiv.de.

Über die Autorin: Silke Krischke

Silke Krischke
Silke Krischke (Dipl.Wirt.Ing.) ist systemische Organisationsentwicklerin, Leiterin Prozesse – Projekte – Qualität bei den EWS Elektrizitätswerke Schönau eG und Mitglied im Leitungsteam des DGQ-Fachkreises „QM und Organisationsentwicklung“. Durch ihre langjährige Praxis in Prozess-, Projekt- und Qualitätsmanagement, Organisationsentwicklung und Change verfügt sie über besondere Expertise im Umgang mit Widerständen in Veränderungsprozessen.