„Im Qualitätsmanagement sind die richtige Ausbildung, analytisches Denken und hohes Engagement gefragt“6 | 07 | 18

Was macht eine Karriere im Qualitätsmanagement so interessant und abwechlungsreich? Um das herauzufinden, haben wir Qualitätsmanagement-Beauftragte, Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmanager im DGQ-Blog dazu aufgerufen, uns über ihren beruflichen Alltag im QM zu berichten. Angefangen von ihrem Einstieg in diesen Bereich bis hin zu den Herausforderungen, die so Job ein mit sich bringt hin zu den Fähigkeiten, die zukünftig gefragt sein werden. Alle Antworten, die Sie uns gegeben haben, veröffentlichen wir regelmäßig im DGQ-Blog.

Den Anfang machte Katrin Seefeldt mit Ihrem Blogpost „Seien Sie offen für Menschen und ihre Bedürfnisse“. Danach folgten die Beitrage von Dr. Ute Kronenberg „Ein Qualitäter im klassischen Sinne ist nicht mehr zeitgemäß“ , DGQ-Mitglied Jörg Brokmann „Qualitätsmanagement praktizieren schafft Lebensfreude“ und Anja Freitag „Entscheidend ist ein offenes Ohr für das Praktische und die Situation der Leute“.  Weiter geht es mit DGQ-Mitglied Renate Fangmeier, die aktuell vor der Herausforderung steht, die neue IATF 16949:2016 zu implementieren.

Was ist das Besondere an Ihrem Job?

Qualitätsmanagementbeauftragte (QMB) ist nicht meine Hauptfunktion, sondern ein Teilbereich meiner Aufgaben. Interessant an der Positione des QMB ist dabei die umfassende Sichtweise. Als QMB bin ich auch zuständig für das Auditprogramm und erhalte so Einblick in alle Bereiche eines Unternehmens, nicht nur in einen kleinen Teilbereich. Zusätzlich muss ich immer über qualitätsspezifische und branchenspezifische Neuerungen informiert sein, um diese entsprechend mit den Kollegen umzusetzen. Eine besondere Herausforderung ist derzeit die Implementierung der neuen IATF 16949:2016 mit den neuen Forderungen aus der Automobilindustrie. Hier werden auch rechtliche Aspekte immer wichtiger.

Wie sind Sie eigentlich in diese Position gekommen?

Eigentlich bin ich Quereinsteigerin. Nachdem ich zuvor einige Jahre in der Entwicklung gearbeitet hatte, machte mir ein Personalberater den Vorschlag, in den Bereich Qualität zu wechseln. Ich informierte mich ausführlich über die Möglichkeiten und nahm die Herausforderung an. Seitdem haben sich die Anforderungen erheblich geändert. Eine Zertifizierung ist in vielen Branchen inzwischen die Eintrittskarte bei den Kunden. Ich habe mehrfach die Firma gewechselt, wobei seit Jahren auch die Funktion des QMB zu meinen Aufgaben zählt.  Bei meiner jetzigen Position habe ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle beworben, die aber nicht nur die Aufgaben eines QMB enthält, sondern auch die Leitung der Qualitätssicherung und inzwischen auch die Aufgaben einer Umweltmanagement-Beauftragten.

Was muss man können, um im Bereich Qualitätsmanagement erfolgreich zu sein?

Sie sollten über ein abgeschlossenes Studium verfügen, das zur Branche passt – z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik, Physik oder Chemie. Zudem sind Ausbildung im Qualitätsmanagement, eine Auditorenausbildung, analytisches und logisches Denken, hohes Engagement sowie sehr gute Englischkenntnisse bei internationalen Kontakten gefragt.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Job?

Die Einführung und Umsetzung neuer Normen und Anforderungen im Betrieb neben dem Tagesgeschäft und Unterstützung der übrigen Bereiche dabei. Die Forderungen gerade der neuen IATF 16949:2016 umzusetzen, ist für kleine und mittlere Unternehmen nicht leicht zu stemmen, die in die Automobilindustrie liefern. Dies bedarf einer erheblichen Kraftanstrengung, bei der alle mitwirken müssen. Manchmal fragt man sich auch nach der Sinnhaftigkeit einiger Forderungen. Gleichzeitig muss alles noch wirtschaftlich möglich sein. Das ist nicht immer leicht.

Was heißt Qualität für Sie und was zeichnet ein gutes Qualitätsmanagementsystem aus?

„Leben des QM-Systems“ in allen Bereichen, Mitwirkung aller Bereiche und Übernahme der Verantwortung für die eigenen Prozesse und die Erreichung hoher Kundenzufriedenheit bei gleichzeitiger Beachtung der Wirtschaftlichkeit.

Wie sehen Sie das Berufsbild eines Qualitätsmanagers in der Zukunft?

Nach der neuen ISO 9001:2015 ist die Funktion des QMB nicht mehr gefordert. Die Funktion könnte von Spezialisten neben anderen Aufgaben übernommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass alle Prozesseigner Verantwortung für ihren Bereich übernehmen. Das ist die Bedingung ist für ein „gut gelebtes QM-System“. Notwendig ist aber meiner Meinung nach eine Person, die hier mit ihren Kenntnissen die übrigen Bereiche unterstützt. Dazu gehören: eine laufende Fortbildung in Änderungen bei Normen und Kundenforderungen, Coaching der verschiedenen Bereiche im Betrieb bzgl. der Qualitätsforderungen und deren Umsetzung sowie Unterstützung bei der Umsetzung.

Welche Tipps geben Sie Berufseinsteigern in Ihrem Bereich mit auf den Weg?

Ich empfehle eine Ausbildung im Qualitätsmanagement bei einem geeigneten Anbieter (z.B. DGQ) und eine zusätzliche Ausbildung in branchenspezifischen Anforderungen. Generell ist es wichtig, sich im Bereich Qualität kontinuierlich weiterzubilden und Angebote zur Vernetzung und zum Gedankenaustausch zu nutzen –  z.B. über die DGQ-Regionalkreise und bei VDA-QMC-Veranstaltungen.

Haben Sie Lust, über Ihren Traumjob im Qualitätsmanagement zu berichten?

Berichten Sie z. B. darüber, wie Sie QMB oder Qualitätsmanager geworden sind, welche Herausforderungen Ihnen im beruflichen Alltag begegnen, welche Qualifikationen wichtig sind und wie es gelingt, sich im Unternehmen erfolgreich zu positionieren. Haben Sie gute Tipps, die Sie Neueinsteigern mit auf den Weg geben möchten? Wir sind gespannt.

Ihr direkter Kontakt:
Katrin Kemm
T 069 954 24-180
E-Mail: katrin.kemm@dgq.de.

Streben auch Sie eine Karriere im Qualitätsmanagement an?

Wir beraten Sie gern – telefonisch unter 069 954 24-333 oder per Mail an weiterbildung@dgq.de

Weitere Informationen zu den DGQ-Qualitätsmanagement-Trainings

 

Über den Autor:

Nach meinem Studium an der Uni Münster habe ich als Physikerin im Bereich Entwicklung optischer Messverfahren, Lasertechnik und Software gearbeitet und Erfahrung im Projektmanagement gesammelt. Mit dem Wechsel ins Qualitätsmanagement und meiner DGQ-Ausbildung lagen die Schwerpunkte anders: Als Qualitätsleiterin habe ich QM-Systeme nach ISO 9001, dann ISO/TS 16949 für mehrere Automobilzulieferer eingeführt und ausländische Werke im Bereich Qualität unterstützt. Hier spielt die Kommunikation eine große Rolle.

3 Kommentare bei “„Im Qualitätsmanagement sind die richtige Ausbildung, analytisches Denken und hohes Engagement gefragt“”

  1. 3a532fab7f24d4f423437d499c9d72b1 Erwin Oelsner sagt:

    Mit der Normenrevision der ISO 9001:2015 haben sich komplett neue Umsetzungsansätze eröffnet die für innovative Unternehmen große Chancen bedeuten.
    Das klassische Handbuch ist endlich weg und gelebte,akzeptierte und verstandene Prozesse können umgesetzt werden.
    Für den klassischen QMB heißt es jetzt mehr Moderator für die einzelnen Fachabteilungen zu sein.
    Absolut spannend und eine tolle Aufgabe.

    1. baccbfe079973a422ca3e35022dfdcec Maik Föste sagt:

      Braucht man wirklich einen akademischen Abschluss um im Qualitätswesen erfolgreich zu sein? Ich denke nicht. Ich habe lieber Mitarbeiter mit einer fundierten Ausbildung als einem Bachelor oder Master Abschluss, die noch nie ein Unternehmen von Innen gesehen haben. Für mich ist Erfolg im Qualitätswesen gleichzusetzen mit erfolgreicher Kommunikation, Verständnis und Verantwortung. Die meisten Absolventen kommen in das Unternehmen mit der Auffassung: Mein Bildungsabschluss ist höher, jetzt erkläre ich dir die Welt! Und das Ende ist, leider nein, leider gar nicht. In meinem Freundeskreis bewegen sich einige Führungspersonen und wir alle sind der Meinung, dass wir Akademiker ohne technische Ausbildung kategorisch ablehnen. Bevor Fragen aufkommen, ich bin selbst Ingenieur und habe eine technische Ausbildung und die Ausbildung bringt mich in meiner Arbeit viel weiter als es das Studium könnte.

      1. 2f7b8a082664d40d5f2768c6f33b5bee Jörg Brokmann sagt:

        Ich kann Ihre Auffassung und Ihr Erleben voll umfänglich teilen, Herr Föste. Ein akademischer Abschluss ist zwar unter Umständen hilfreich, wenn Methoden des Prozess- und Projektmanagements praktiziert werden, jedoch sind diese
        aus meiner Erfahrung heraus im praktischen Betrieb besser zu erlernen.
        Viel wichtiger finde ich, ist eine große Portion an gesundem Menschenverstand, den bekommt man an kaum einer Universität und zertifizieren lässt dieser sich auch (noch?)nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.