Die Qualität der Kommunikation: Kann der Körper sprechen?12 | 07 | 19


Willkommen zur unserer Blogstrecke „Die Qualität der Kommunikation“. Schön, dass Sie sich wieder Zeit nehmen. Im letzten Beitrag mit dem Titel „Die Qualität der Kommunikation: Zurück auf Anfang – ein unerfüllbarer Wunsch“ stand das zweite Axiom der Kommunikationstheorie im Fokus: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt.“ In diesem Beitrag geht es darum, welche Rolle Aspekte wie Gestik und Mimik im Rahmen einer Kommunikation spielen.

Kann der Körper sprechen?

Was bedeutet ein Augenzwinkern? Was ein Lächeln? Man kann mit einem Lächeln Sympathie oder Verachtung ausdrücken. Und das Augenzwinkern? Einverständnis, Warnung oder Flirt.

Diese Beispiele stehen für analoge Kommunikationsformen im Unterschied zu digitalen. Watzlawick: „Die analoge Kommunikationsform ist die wesentlich ältere und umfassendere Form. So ist es beispielsweise möglich, in einem persönlichen Gespräch in einem fremden Land sich durch den Tonfall, Mimik, Körper-, Zeichen- und Gebärdensprache einigermaßen verständlich zu machen (analoge Kommunikation). Im Gegensatz dazu ist es z.B. völlig unmöglich, durch bloßes Hören einer unbekannten Sprache im Radio diese Sprache jemals zu verstehen oder zu erlernen (digitale Kommunikation).“

Wir nutzen beide Formen, wie Watzlawick in seinem vierten Axiom feststellt:

4. Axiom: „Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten.“

Die digitalen und die analogen Modalitäten ergänzen sich in jeder Mitteilung gegenseitig. Watzlawick verknüpft nun dieses vierte mit dem zweiten Axiom, dass Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat: „Wir dürfen ferner vermuten, dass der Inhaltsaspekt digital übermittelt wird, der Beziehungsaspekt dagegen vorwiegend analoger Natur ist.“

Die in Seminaren oft gestellte Frage zur Körpersprache erweckt Eindruck, dass die Geste „Arme vor Körper verschränken“ wichtiger sei als das Ergebnis der Sitzung, der inhaltliche Prozess oder der Kontakt zur Gruppe. Gestik und Mimik haben keine eindeutige Bedeutung. Menschen interpretieren Gesten je nach ihren eigenen Erfahrungen und je nach Situation und Beziehung.

Daher drei Tipps:

  1. Es gibt kein ultimatives und allgemeingültiges Lexikon der Körpersprache. Verlassen Sie sich also nicht darauf, dass Sie die Gesten richtig interpretieren. Dabei hilft, die Signale als Annahmen zu formulieren: „Ich vermute, dass Ihre Körperhaltung Abwehr signalisiert, oder?“ Sie selber wollen sicherlich auch nicht auf eine einzige Geste reduziert werden.
  2. Wer wirklich etwas bewegen will, sollte glaubwürdig wirken. Dafür benötigen Sie analoge UND digitale Kommunikationsweisen, die sich nicht widersprechen.
  3. Nehmen Sie die Reaktionen Ihres eigenen Körpers wahr, das sind verlässliche Informationen. Ihr Körper teilt Ihnen mit, ob Sie sich wohlfühlen. Oder haben Sie Fluchtgedanken? Steht jemand zu dicht neben Ihnen? Brauchen Sie mehr Platz? Oft ist der Körper dabei schneller als unser Bewusstsein und liefert uns wichtige Hinweise, um eine Situation zu verstehen und zu intervenieren.

Weiter geht es in acht Tagen. Schauen Sie vorbei. Sie sind herzlich eingeladen.

 

Über den Autor:

Die Sprechwissenschaftlerin Susanne Völker berät ihre Kunden zu den Themen Kommunikation, Organisation und Zusammenarbeit. Ihr Leistungsspektrum umfasst die Produkte Moderation, Teamaktivierung, Führungsberatung, Rhetorikcoaching und Stimmtraining. Seit 1999 ist sie für die DGQ als Autorin und Trainerin für sozial-kommunikative Themen in verschiedenen Lehrgangsblöcken tätig und gibt didaktische Impulse. Für die DGQ entwickelte und leitet sie u.a. das Seminar QM-Teams führen ohne Weisungsbefugnis.

Ein Kommentar bei “Die Qualität der Kommunikation: Kann der Körper sprechen?”

  1. Danke, Susanne Völker, für den Hinweis darauf, dass einzelne Elemente der Körpersprache schwer zu deuten sind. Daher empfehle ich in meinen Kursen auch immer, sich ein Gesamtbild zu machen und zu beobachten.

    Vorsicht hingegen mit dem Ansatz, die analoge Kommunikation sei allgemein verständlich. Gesten, Körperhaltung und auch die Distanz unterliegen starken kulturellen Unterschieden.

    Sogar in unseren Nachbarländern gibt es schon andere Gewohnheiten. In Belgien und Frankreich begrüßen sich nicht nur Freunde mit dem „Bisou“ (Wangenkuss), sondern auch Bekannte, Nachbarn, Kollegen. Regional unterschiedlich zwei- oder drei Bisou.

    Kristin Daleiden
    Dozentin QM und Prozessoptimierung
    Lean Management und Rhetorik

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