Für eine lückenlose Versorgung: DGQ-Überleitungsbogen weiterentwickelt16 | 11 | 21

Häufig kommt es vor, dass Menschen aus einer Gesundheits- oder Pflegeeinrichtung in eine andere wechseln. Sie werden beispielsweise aus einer Klinik in ein Pflegeheim entlassen. Dies muss mit einer lückenlosen Versorgung einhergehen. Die sogenannte Überleitung wird durch das Entlassungsmanagement sichergestellt, zu dem alle Häuser gesetzlich verpflichtet sind. Überleitungen finden auch innerhalb von Einrichtungen oder innerhalb eines Segmentes statt, zum Beispiel von Klinik zu Klinik. Große Herausforderungen für die pflegerische Versorgungsqualität entstehen jedoch vor allem bei der Überleitung zwischen Klinik und Langzeitpflege.

Das gängige Dokument bei der Entlassung von Menschen mit pflegerischem Bedarf ist ein Überleitungsbogen. Davon existieren vermutlich so viele, wie es Abteilungen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Deutschland gibt. Vielfach enthalten diese Überleitungsbögen Informationen, die nicht für die Pflege relevant sind. Viel gravierender sind aber fehlende oder unzureichende Informationen. Beides führt zu ineffizienten Prozessen, kostet Ressourcen und kann die Sicherheit der Klientinnen und Klienten gefährden.

Eine Gruppe aus DGQ-Expertinnen und -experten hat Anfang 2021 einen einfachen Lösungsweg für das Informationsdilemma bei der pflegerischen Weiterversorgung erarbeitet. Das Ergebnis wurde als Entwurf öffentlich zur Diskussion gestellt. Mittlerweile liegen Anregungen und Kommentare aus unterschiedlichen Versorgungs-Settings von der ambulanten Pflege bis zum Krankenhaus vor. Die Überarbeitung des Instruments ist jetzt kurz vor dem Abschluss. In Kürze soll das Ergebnis veröffentlicht werden.

Viel Zuspruch gab es im Zuge der Veröffentlichung des Entwurfes für die Fokussierung auf die Pflege. In der ausgedruckten Version umfasst der Bogen nur eine Seite, beinhaltet aber alle für die Durchführung der Pflege wichtigen Aspekte. Gleichzeitig umfasst dieses Instrument alle Kriterien, die für die Begutachtung des Pflegebedarfs erforderlich sind. Damit wird bei der Überleitung in die Langzeitpflege auf einen Blick sichtbar, ob eine Veränderung des Pflege-Aufwandes gegenüber dem Zustand vor einem Klinikaufenthalt vorliegt.

In der klinischen Versorgung ist das Entlassungsmanagement multiprofessionell aufgestellt und berücksichtigt die Daten aller an der jeweiligen Versorgung beteiligten Fachgebiete. Es zeigt sich allerdings, dass bei einer Vermengung von Fachinformationen in der Überleitung sowohl redundante, als auch lückenhafte Informationen fließen. Daher wird angeregt, die jeweiligen Entlassungsdaten abgestimmt, aber nach Fachdisziplinen getrennt zu übermitteln.

Außerdem zeigte sich bei der Evaluation des Entwurfes, dass die Einführung eines pflegerischen Stammdatenblattes empfehlenswert ist. Darin sind zum Beispiel auch Angaben zu Pflegehilfsmitteln und zu pflegenden Angehörigen aufgeführt. Die pflegerische Datenüberleitung würde demnach zwei Formblätter umfassen, nämlich das Stammdatenblatt sowie den eigentlichen Pflegeüberleitungsbogen mit den für die professionelle Versorgung erforderlichen Daten.

Bei der Einführung in die Praxis ist wie bei jeder Implementierung von Neuerungen mit Fragen und Herausforderungen zu rechnen. Um diese aufzufangen und eine möglichst reibungslose Umsetzung zu ermöglichen, sind noch zwei Bausteine fällig.

Erstens wird auf Basis der Erkenntnisse aus der Praxis ein Erläuterungsbogen erarbeitet. Das ist wichtig, weil die fachlichen Perspektiven in den Pflegesegmenten unterschiedlich sind. Hierin liegt ein Grund für die Informationslücken, die bisher vor allem beim Übergang vom Krankenhaus in die Langzeitpflege entstehen. Außerdem soll das Instrument selbstverständlich in digitaler Form nutzbar sein. Dazu werden im nächsten Schritt entsprechende Partner gesucht.

Wenn Sie selbst einen Blick auf den aktuellen Stand werfen möchten, können Sie sich hier den DGQ-Überleitungsbogen für das pflegerische Entlassungsmanagement herunterladen.

Über den Autor:

Holger Dudel ist Fachreferent Pflege der DGQ. Er ist gelernter Krankenpfleger und studierter Pflegepädagoge und Pflegewissenschaftler. Er hat zuvor Leitungsfunktionen bei privaten, kommunalen und freigemeinnützigen Trägern der Langzeitpflege auf Bundesebene innegehabt. Qualität im Sozialwesen bedeutet für ihn, dass neben objektiver Evidenz auch das „Subjektive“, Haltung und Beziehung ihren Platz haben.

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