Gut gezielt ist halb getroffen24 | 04 | 15

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Effektive (Unternehmens-)Kommunikation zeichnet sich durch klare und sauber formulierte Aussagen aus. Man begegnet in diesem Zusammenhang aber durchaus auch sinnverdrehenden Satzkonstruktionen und manch einer unglücklichen Wortwahl – der Bereich Qualitätsmanagement ist davon nicht ausgenommen. Wer sich beim Schreiben ein wenig „schindet“, kann das jedoch leicht vermeiden.

Lassen Sie uns mit einem Teilaspekt der sinnvollen Verwendung des Wortes „Ziel“ beschäftigen. Sie kennen sicher Sätze wie: „Unser Ziel ist (es), unseren Kunden nachhaltig hergestellte Produkte anzubieten.“ Auf den ersten Blick klingt das gänzlich unverdächtig; Orthografie, Grammatik, Stil – alles soweit okay, zumindest für den Fall, dass im Folgenden die Wendung „nachhaltig hergestellte Produkte“ erläutert wird.

Wenn man den Satz aber darüber hinaus auf die Korrektheit seiner Aussage untersucht, fällt auf, dass der Schreiber unscharf formuliert hat. In dem Satz steckt kein Ziel, sondern eine Absicht, aus der sich evtl. ein Ziel ableiten lässt, verbunden mit einer Aufgabe! Denn ein Ziel ist etwas, das es zu erreichen gilt, also zum Beispiel ein Ergebnis, einen Ort, etwas Konkretes zu einem bestimmten Zeitpunkt.

So aber stellen sich erst einmal Fragen: Was muss das Unternehmen eigentlich tun, um nachhaltig produzieren zu können? Wann genau will das Unternehmen sein Ziel erreicht haben? Und: Wird es überhaupt jemals dazu kommen? Zum Zeitpunkt der Aussage ist das Unternehmen jedenfalls noch längst nicht dazu in der Lage, denn es hat ja nur eine wenig konkrete Absicht geäußert. „Absicht“ zu sagen, war aber offensichtlich nicht die Absicht des Schreibers.

Man könnte Ziel durch „Aufgabe“ ersetzen: „Wir haben (es) uns zur Aufgabe gemacht, unseren Kunden nachhaltig hergestellte Produkte anzubieten.“ Das ist zwar ein guter Satz. Allerdings hat sich die Aussage jetzt gegenüber der ursprünglichen Intention nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Wirkung dramatisch verändert. Das Wort „Ziel“ wurde ja gewählt, um dem Satz (und damit auch dem Unternehmen selbst) etwas Entschlossenes, Stringentes, ja Dynamisches zu verleihen; Aufgabe hingegen klingt mehr nach dem Quietschen eines Griffels auf der Schiefertafel …

Was muss also getan werden, um das Wort „Ziel“ in dem Satz doch noch unterzubringen, sinnstiftend diesmal? Einfach ein Ziel formulieren und keine Absicht. Wir könnten z. B. einen Zeitpunkt einführen und – um der Aussage ein wenig Nachdruck zu verleihen – noch einen zweiten Satz dazu: „Unser Ziel ist (es), unseren Kunden ab Anfang 2016 nachhaltig hergestellte Produkte anzubieten. Daran werden wir mit Hochdruck arbeiten“, oder so ähnlich.

Übertreibe ich da nicht ein wenig? Es kommt auf den Kontext an: Im lockeren Gespräch ist das kein großes Thema, da darf auch mal ein „Gewunken“ herausrutschen, obwohl doch einer gewinkt hat. Wenn es aber um die Formulierung von Unternehmenszielen geht, ist eine klare und verständliche Sprache ein wesentliches Qualitätsmerkmal mit entsprechender Wirkung nach innen und außen – und damit unverzichtbar.

Das Wort „Ziel“ korrekt zu verwenden, ist auf jeden Fall eine lösbare Aufgabe – keinesfalls aber eine „echte Herausforderung“. Um die kümmern wir uns dann das nächste Mal. Bis dahin eine gute Zeit.

Über den Autor:

Peter Blaha, geboren 1954 in Frankfurt am Main, ist freier Journalist mit Spezialisierung auf „Managementsysteme“ und „Weinwirtschaft“ und DGQ-Mitglied. Er widmet sich neben der Erstellung von Fachbeiträgen seit jeher (und mit Vorliebe) dem nach seiner Meinung oft viel zu wenig beachteten Phänomen unklarer bis kurioser Formulierungen und Schreibweisen in der deutschen (Q-)Sprache. Wer dabei eine gewisse Nähe zur Argumentation des bekannten Journalisten Wolf Schneider zu erkennen glaubt, liegt nicht ganz falsch.

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