Sozial trifft digital – Berufliche Weiterbildung in der Zukunft19 | 09 | 17

Big Data, Internet of Things, Scrum, Industrie 4.0 – die Liste der Begriffe, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung fallen, lässt sich fortführen. Die Digitalisierung ist ein Thema, das unsere Gesellschaft aktuell, aber auch noch in den nächsten Jahren intensiv beschäftigt. Sie verändert uns und unsere Umwelt, die Art wie wir leben, kommunizieren und arbeiten – damit einhergehend auch wie und mit welchen Mitteln wir in Zukunft lernen.

Wandel erfordert Umdenken

Die digitale Ära fordert Flexibilität und Lernbereitschaft – von jedem einzelnen. Berufsbilder und Tätigkeitsprofile wandeln sich durch den Einsatz neuer Technologien und stellen neue Anforderungen an die Qualifikationen von Fachkräften. Dieser wachsenden Dynamik muss sich auch die berufliche Weiterbildung stellen. Denn: Neue Arbeitsstile und Arbeitsumfelder erfordern im Umkehrschluss auch neue Trainingsmethoden und Lernformen. Das bedeutet nicht, Bewährtes zugunsten der Technologie über Bord zu werfen und analoges Wissen einfach digital abzubilden. Vielmehr geht es darum, Lernumgebungen effizient und effektiv zu gestalten und zeitgemäße didaktische Konzepte zu etablieren. Es wird notwendig sein, Weiterbildungsangebote so zu gestalten, dass eine klare Verbindung zum Arbeitsumfeld gewährleistet und durch handlungsorientiertes Lehren und Lernen spürbar wird. Dafür müssen digitale und analoge Ansätze bestmöglich verknüpft werden, um sowohl die verschiedenen Lerntypen, als auch die vielfältige Welt der betrieblichen Weiterbildung zu berücksichtigen.

Maßgeschneiderte Innovationen

Die Integration digitaler Medien in die berufliche Weiterbildung bietet optimale Möglichkeiten, Angebote zu skalieren und Lerninhalte an die neuen Entwicklungen anzupassen. Das zeigen Pilotprojekte, bei denen der Einsatz von Softwareanwendungen wie „Augmented Reality“, „Serious Games“ und „Adaptive Lerntechnologien“ erfolgreich getestet wird. Durch den medialen Mix von Theorie, digitalen Lernmedien, virtueller Simulation und Praxistraining wird der Lerneffekt gesteigert. Die Erfahrungen, die in den verschiedenen Lernumgebungen gesammelt werden, unterstützen die Wissensverknüpfung zum eigenen Arbeitsumfeld und dienen der gezielten und aktiven Wiederholung. Welche neuen Weiterbildungsformate und Lehrmedien sich in Zukunft langfristig beweisen und durchsetzen, lässt sich bis dato schwer bestimmen. Die Frage nach dem geeigneten Konzept wird immer auch die Frage nach dem konkreten Ziel der einzelnen Weiterbildung sein. Dennoch: Zukunftsfähige Programme brauchen innovative Ansätze, die der Digitalisierung und der Lernpsychologie gleichermaßen Rechnung tragen.

Bereitschaft zur Veränderung

Das meiste erlernen wir im Laufe des Lebens von allein, anderes müssen wir uns aktiv aneignen. Hierzu bedarf es der eigenen Motivation und einem Sinn darin, sich für ein Bildungsangebot zu entscheiden. Wer lernt, möchte Erfolg haben und neu erworbenes Wissen und Kompetenzen im (Arbeits-)Alltag anwenden können. Aber auch die Freude am Lernen und der Austausch mit anderen dürfen nicht zu kurz kommen. Lernen ist und bleibt ein höchst individueller, aber auch ein sozialer Prozess. Aus diesem Grund wird die Präsenz in neuen, digital angereicherten Weiterbildungsangeboten nicht out sein, sondern anders. Im virtuellen Kursraum gibt es Sitzplätze für alle – nur eben via VR-Brille oder auf dem Computerbildschirm. Die Kommunikation erfolgt über Headset, Funktionen für Meldegesten oder Chats. Es werden Gruppen gebildet, Aufgaben gelöst und Inhalte kollaborativ bearbeitet. Auch die Rolle des Trainers wird sich dabei ändern. Da die reine Vermittlung von Informationen und Lerninhalten über die neuen Medien erfolgt, wird der Trainer mehr und mehr zum aktiven Begleiter der Teilnehmer im Lernprozess. Er moderiert, coacht, motiviert und unterstützt beim Umgang mit den digitalen Medien.

Fazit

Die digitale Ära bringt einige Herausforderungen mit sich, bietet aber auch Chancen und Möglichkeiten – wenn wir sie als Prozess verstehen, den wir aktiv gestalten können. Das gilt insbesondere für die berufliche Weiterbildung. Denn: Die Digitalisierung verändert spürbar, wie wir lernen, Wissen erwerben, vermitteln und anwenden. Um attraktiv und wertvoll zu bleiben, muss es gelingen, die Potenziale digitaler Medien in der Weiterbildung so zu nutzen, wie wir es in Alltag und Beruf bereits tun.

 

 

Über den Autor:

Claudia Welker ist seit 2009 Geschäftsführerin der DGQ Weiterbildung GmbH in Frankfurt. Zuvor war sie Leiterin Software & Solutions für technische Investitionsgüter sowie als Qualitätsmanagement-Beauftragte für die Region Europa tätig. Wichtige Erfahrungen hat sie als ehemalige Geschäftsführerin Marketing und Kommunikation sowie als Leiterin Marketing und Vertrieb in der Weiterbildung und der Health Care Industrie gesammelt.

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