Rezension: Qualitätsmanagement für Hochschulen – Das Praxishandbuch17 | 04 | 15

Rezension QM an Hochschulen

Qualitätsmanagement für Hochschulen – Das Praxishandbuch. 392 Seiten, fester Einband, Carl Hanser Verlag 2014. 59,99 €

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Rezension von Dr. Gitte Händel

Das Handbuch wurde von Experten für Qualitätsmanagement an Hochschulen in der Arbeitsgruppe 360 „QM an Hochschulen“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. erarbeitet.

Intention der Autoren

Intention der Autorinnen und Autoren ist es, in einem Grundlagenwerk wissenschaftsbasiertes theoriegeleitetes Fachwissen über Qualitätsmanagement zu verbinden mit den Besonderheiten und Funktionsweisen der Organisation Hochschule. Gegenstand ist ein umfassendes QM-System, das alle Bereiche einer Hochschule umfasst und damit nicht nur Studium und Lehre betrachtet, für die es seit längerem Qualitätskriterien gibt, sondern auch Forschung und Entwicklung und die allgemeine Verwaltung. Der Systemgedanke steht also im Vordergrund.

Die Autorinnen und Autoren beginnen ihre Ausführungen mit Fragen zum QM an Hochschulen, die sie nach den theoretischen Ausführungen im Fazit beantworten. Eine der wesentlichen Fragen bezieht sich auf den Unterschied von Hochschulen zu Unternehmen. Sie funktionieren anders, so die Autoren. Ist QM daher das richtige Instrument?

Hochschule als Organisation

Die Besonderheiten der Organisation Hochschule werden in den Kapiteln 2 und 3 deutlich: Kapitel 2 stellt die besonderen Rahmenbedingungen von Hochschulen vor, die bei der Implementierung eines QM-Systems zu beachten sind. In Kapitel 3 erfolgen die notwendigen Begriffsfestlegungen u.a. auch in Abgrenzung gegenüber der Terminologie unterschiedlicher Gremien wie z.B. Kultusministerkonferenz, Hochschulrektorenkonferenz, die z.T. den Begriff der Qualitätssicherung vorziehen. Grundlage der weiteren Ausführungen des Buches ist Qualitätsmanagement in Anlehnung an gültige Normen und mit der Betonung, dass QM im Gegensatz zur QS vor allem präventiv wirksam werden soll.

Eine zentrale Besonderheit der Organisation Hochschule ist der Status der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen: Die Freiheit von Forschung und Lehre sichert ihnen eine hohe individuelle Autonomie. Damit verbietet sich nach Ansicht der Mitglieder der Arbeitsgruppe die Übernahme von üblichen Leitungsmodellen aus der Wirtschaft. Qualitätsmanagement an Hochschulen entwickelt und bewährt sich im Spannungsfeld zwischen Wissenschaftsfreiheit und Management: effektive und effiziente aber auch gleichzeitig ausreichend flexible Verfahrensabläufe.

Die Abschnitte 5 – 8 des Praxishandbuches zeigen auf, wie ein QM-System an einer Hochschule aufgebaut werden kann: Worum geht es grundsätzlich? Welche Modelle gibt es? Wie sieht sollte ein Projekt „Einführung von QM“ geplant und gesteuert werden? Als Erfolgsfaktoren – bzw. als Stolpersteine für das Vorhaben werden im Abschnitt 4 sieben Grundsätze identifiziert: Motivation, Interaktion und Partizipation, Relevanz, Klarheit, Zeit, Verbindlichkeit und Offenheit.

EFQM-Modell als Orientierung

Die Autorinnen und Autoren schlagen als Modell für die Einführung von QM an Hochschulen das Modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) vor: Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der es am besten ermögliche, die Interessen der unterschiedlichen Stakeholder zu berücksichtigen und dann auch zu messen, ob die gewünschten Ergebnisse erreicht werden. Diese Ganzheitlichkeit könne auch die Voraussetzung dafür schaffen, isoliertes Denken in Funktionsbereichen und Abteilungen zu überwinden und gleichzeitig die bereits angesprochene Autonomie von Forschung und Lehre zu gewährleisten.

Fazit

Das Praxishandbuch enthält eine Vielzahl an Beispielen, wie Qualitätsmanagement an Hochschulen verstanden und umgesetzt wird. Sie erläutern die Ausführungen in den threoriegeleiteten Kapiteln. Darüber hinaus beschreibt Abschnitt 10 ausführlich Vorgehensmodelle einzelner Hochschulen.  Zusätzlich findet sich im Anhang eine umfangreiche Sammlung von QM-Dokumenten. Alle Beispiele dokumentieren die Umsetzung einer bestimmten Hochschule.

Das Buch endet mit einer Reflexion zur Frage, wohin sich der Begriff Qualität entwickeln wird und welche Herausforderung dies an eine Organisation stellen wird.

Kann ich das Buch empfehlen? Uneingeschränkt. Als Qualitätsmanager erhalte ich einen guten Einblick in die Besonderheiten von Hochschulen, die es bei der Gestaltung eines QM-Systems zu berücksichtigen gilt. Als Mitglied einer Hochschule erhalte ich eine breite Einführung in Qualitätsmanagement, seine Prinzipien, Methoden und Vorgehensweisen. Die Beispiele sind ausführlich beschrieben und erprobt, eine Anpassung an die eigene Organisation erscheint ohne größere Schwierigkeiten möglich. Ein Glossar der wichtigsten Begriffe hilft dem Nicht-Experten beim Verständnis.

Das Buch überzeugt außerdem durch seine begriffliche Klarheit und seine klare verständliche Sprache, die gut auf den häufig sehr technischen Fachjargon von QM-Ausführungen verzichten kann.

Über den Rezensenten:

Dr. Gitte Händel ist als Projektmanager für F&E, Coach und Trainer tätig. Sie ist Mitglied im Fachkreis „Qualität und Projekte“ von DGQ und GPM, Delegierte der DGQ und aktives Mitglied im Regionalkreis Augsburg.

3 Kommentare bei “Rezension: Qualitätsmanagement für Hochschulen – Das Praxishandbuch”

  1. 485cf85560b7acb69529276aacf86c9e Seegmüller sagt:

    Wo kann ich das Buch kaufen?

  2. Katrin Kemm sagt:

    Sie erhalten das Buch bei der DGQ. Bitte bestellen Sie es telefonisch unter 069 954 24-0.
    Viele Grüße
    Katrin Kemm

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