„Made in Germany“ – Unverantwortlicher Abgesang6 | 10 | 15

VW

Der Abgas-Skandal von Volkswagen zieht weite Kreise. Seit Bekanntwerden der Manipulationen haben sich zahlreiche Experten zum Thema geäußert. Stand zu Anfang lediglich der Volkswagen-Konzern im Blickpunkt des allgemeinen Interesses, hat sich dieser Fokus schnell erweitert. Im Zuge des Skandals ist auch die Marke „Made in Germany“ Thema des öffentlichen Interesses geworden.

Anlässlich eines Anfang der Woche von mir in der Süddeutschen Zeitung erschienen Kommentars zum Thema möchte ich mich auch an dieser Stelle für das Gütesiegel stark machen.

Mit Sorge beobachten wir bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität den Tenor, mit dem die Diskussion um die Auswirkungen des Abgasskandals auf die Marke „Made in Germany“ geführt wird. Gerade in den ersten Tagen nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen wurde ein regelrechter Abgesang auf das Gütesiegel angestimmt – und das ist aus unserer Sicht problematisch.

Das Vertrauen, dass Verbraucher weltweit in die Marke „Made in Germany“ setzen, ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg deutscher Unternehmen im In- und Ausland. Dieses Vertrauen gilt es zu wahren. Die Strahlkraft der Marke ist historisch gewachsen und stark. Sie hat bereits diverse Krisen überstanden und ist seit Jahrzehnten Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. „Made in Germany“ steht für Qualität, Zuverlässigkeit, hochwertige Verarbeitung und deutsche Ingenieurskunst. Darin ist Deutschland ungeachtet der aktuellen Krise weiterhin stark.

Was das Gütesiegel „Made in Germany“ jetzt braucht, ist kein Abgesang, sondern ein Schulterschluss starker Vorbilder und Fürsprecher mit der klaren Botschaft, dass die Strahlkraft der Marke auch diese Krise überstehen wird; dass das Vertrauen, das dem Siegel von Verbrauchern und Handelspartnern weltweit entgegengebracht wird, berechtigt ist; dass „Made in Germany“ mehr als das Produkt eines einzelnen Unternehmens ist, sondern vielmehr eine Haltung, die von Millionen Menschen und zahlreichen Unternehmen – ob Großkonzernen, mittelständischen oder kleinen Unternehmen – gelebt wird.

Politik und Wirtschaft sind jetzt gefragt, ein Signal für Vertrauen zu senden. Es muss glaubhaft vermittelt werden, dass in Zukunft wirksame Regeln und Compliance-Systeme sicherstellen, dass sich ein solcher Skandal nicht wiederholt. Lassen Sie uns besonnen handeln und das Image der Marke nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Über den Autor:

Der Diplom-Verwaltungswirt Udo Hansen (63), Präsident eines Bundespolizeipräsidiums a.D., hat unterschiedliche Führungsfunktionen wahrgenommen: Referatsleiter im Bundesministerium des Inneren (BMI), Behördenleiter des Bundesgrenzschutzes (BGS) am Flughafen Frankfurt am Main, Präsident des Bundespolizeipräsidiums Ost. Dabei hat er sich vor allem mit der Einführung von Managementmethoden nach dem EFQM-Modell in größeren Behörden und der Einführung eines Leitbildes für den Bundesgrenzschutz bzw. für die Bundespolizei einen Namen gemacht. Parallel dazu hat Hansen an verschiedenen Hochschulen seine Erfahrungen mit dem Themenfeld Qualität vermittelt. Eines seiner Ziele ist es, die DGQ noch stärker als führende Non-Profit-Organisation für Qualität zu positionieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.