Letzte Meldung – Heute: Die Menge ungetaner Arbeit maximieren?!28 | 07 | 17

Letzte Meldung

In den aktuellen DGQ-Publikationen ist viel vom agilen QM die Rede. Dafür wollen wir heute noch einmal eine Bresche schlagen. Das agile Manifest ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten hinsichtlich Software-Entwicklung. Damit sind seine Grundzüge auf Entwicklung anderer Leistungen leicht zu übertragen. Die Autoren des agilen Manifesto haben selbst die Notwendigkeit von Prozessen, Dokumentation und Plänen bestätigt – nur eben als zweitrangig, als Instrumente um Vorrangiges zu erreichen. Zitat:

…haben wir schätzen gelernt:

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden,
schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.

Damit haben Qualitätsmanagerinnen, aber auch interne wie externe Auditoren doch eine gemeinsame Grundlage mit den schon agilen Kollegen.

Sachleistungen, aber auch Dienstleistungen wie ein Trainingsangebot oder auch die Prüfung eines Personenzertifizierers können agil entwickelt werden – wenn auch schwerlich die Leistung selbst ‚agil‘ erstellt. Auf arbeitsteilige Leistungserstellung über die gesamte Lieferkette (z.B. vom Rohstoffabbau bis zur Auslieferung eines Sachgutes oder die Durchführung von Trainings oder Prüfungen) sind aber sehr wohl die Apelle des Manifestos zu übertragen, etwa der Ruf nach höherer Geschwindigkeit, mehr Flexibilität, nach aktiver Kommunikation, kundenorientierter Entscheidung, die Ausrichtung auf das Produkt und nicht dessen Dokumentation.

Eine Hilfe bei der Übertragung können die dem Manifesto hintangestellten Prinzipien sein – hier eine verkürzte für Qualitätslenker angepasste Darstellung:

Wir folgen diesen Prinzipien:

Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung .. .zufrieden zu stellen.

Heiße Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.

Fachexperten und Entwickler müssen während des Projektes täglich zusammenarbeiten.

Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.

Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Teams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Funktionierende(s) … ist das wichtigste Fortschrittsmaß.

Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein
gleichmäßiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können.

Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.

Einfachheit — die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren — ist essenziell.

In regelmäßigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.

Hätten wir so vielleicht nicht formuliert – aber entspricht doch unseren Grundsätzen, ist durchweg mit nachweisbasiertem Mindestanforderungskonformitätsmanagement vereinbar… und geht zum Glück darüber hinaus.
Na, dann…

Über den Autor:

Kai-Uwe Behrends ist seit 2005 Leiter der DGQ-Landesgeschäftsstelle Nord in Hamburg. Vorher war der studierte Diplom-Volkswirt und -Sozialökonom Fachbereichsleiter und Qualitätsmanagement-Beauftragter einer Bildungseinrichtung mit 100 Mitarbeitern. Er ist Auditleiter der DQS für ISO 9001 und AZAV.

kb@dgq.de 0 40 85 33 78-60

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