Neuer Arbeitsschutz-Standard ISO 45001
– „der Norm kütt endlich“
13 | 02 | 18


Nachdem ISO 45001 – die neue Norm für den Arbeitsschutz – in ihren ersten Entwurfsfassungen heftig auf deutscher wie auf internationaler Ebene zwischen den interessierten Parteien diskutiert wurde, geht es nun rasant dem Erscheinungstermin entgegen. Im Januar wurde die englische Fassung des Final Drafts veröffentlicht. Es wurde nur noch über relevante Themen beraten und – zuletzt mit vier Gegenstimmen auf internationaler Ebene – alle Hindernisse ausgeräumt, sodass ISO 45001 Mitte März erscheinen kann. Auch das deutsche Spiegelgremium stimmte dieses Mal mit lediglich zwei Enthaltungen zu. Es verzichtet zudem auf den deutschen Final Draft als Zwischenstufe und steuert direkt auf DIN ISO 45001 zu.

Wann kommt ISO 45001?

In der Karnevalswoche tagt der DIN-Ausschuss NA 175-00-02 AA „Arbeitsschutzmanagementsysteme“ zur deutschen Übersetzung. Eine vielleicht etwas undankbare Aufgabe und keineswegs trivial. Einige englische Begriffsverwendungen können unterschiedliche Bedeutung haben. So z.B. „control“ im Rahmen der Lenkung von Dokumenten und „under control of organization“, was hinsichtlich des Einflusses der Organisation z.B. auf Beschäftigte zum Einsatz kommt. Da ist manchmal eine Orientierung an den Übersetzungen der bereits revidierten Normen DIN EN ISO 9001 und DIN EN ISO 14001 sinnvoll. Selbst beim „Kölsche“ klingt das übrigens nicht so „jeschmüggich“ wie sonst: „unger d’r kuntroll d’r organisation“. Aber gefragt sind gegen Ende Februar erst einmal die Schweizer und Österreicher, um sich mit der deutschen Übersetzung zu arrangieren. Steht dann nichts mehr im Wege, kann DIN ISO 45001 Ende März bestellt werden.

Das ändert sich im Arbeitsschutz

ISO 45001 bezieht sich auf ein „Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA)“ und weist einige Besonderheiten in seinen Anforderungen auf. Selbstverständlich enthält die Norm nun die „High Level Structure“ wie bereits andere revidierte Managementsystemnormen. Auch der Arbeitsschützer begegnet nun dem Kontext, der Führung im neuen Verständnis, den Risiken und Chancen und einem konkreteren Blick auf die Verbesserung der Arbeitsschutz-Leistung. Des Weiteren lohnt sich ein Blick auf die Spezialitäten gegenüber z.B. ISO 9001 und ISO 14001. Da werden beispielsweise durchgängiger „Prozesse“ gefordert, um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in den Abläufen zu etablieren. Anforderungen an die Konsultation und Beteiligung von Beschäftigten mit und ohne Leitungsfunktion sind ein verstärktes Feld. Hier stehen Mitarbeiter und ihre Vertreter als eine der wichtigsten interessierten Parteien im Mittelpunkt. Alte Bekannte wie Rechtskonformität und Anforderungen an den Umgang mit Gefährdungen trifft man aber ebenso wieder.

Impulse für den Arbeitsschutz

ISO 45001 löst den britischen Standard OHSAS 18001 als international anerkannte Norm für Arbeitsschutzmanagementsysteme ab. Mit Erscheinen der neuen Norm haben Unternehmen wieder eine ca. dreijährige Übergangsfrist, um ihre Zertifikate von BS OHSAS 18001 auf ISO 45001 umzustellen. Wer sich nun mit ISO 45001 vertraut machen möchte, wird auf der DGQ-DIN-DQS-Veranstaltung „ISO 45001 – Impulse für den Arbeitsschutz“ am 18. April 2018 in Hamm bestens informiert. Zum Programm

 

 

Über den Autor:

Claudia Nauta, geb. 1969 in Herten/Westf., ist seit 2004 bei der DGQ in der Weiterbildung beschäftigt. Sie verantwortet dort die Trainings zu Umwelt-, Energie-, Arbeitsschutzmanagementsystemen, Prozessmanagement und Audits. Die Anwendung der ISO-Normen hat sie vorab in der Beratung und in Stabstellenfunktion von der Pike auf gelernt und nebenberuflich als Auditorin in der Zertifizierung sowie als EFQM-Assessorin verfeinert. Die Erfahrungen mit Managementsystemen aus unterschiedlichsten Branchen kombiniert sie in der Weiterbildung mit erwachsenenpädagogischen Konzepten.

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