DGQ-Studie: Pflege-TÜV in der Vertrauenskrise21 | 08 | 15

Deutschland steht an einem entscheidenden Punkt, wenn darum geht, Qualitätsstandards in der Pflege zu sichern und zukunftsfähige Modelle zu entwickeln, die den Ansprüchen Pflegebedürftiger gerecht werden. Dass das Thema Nachwuchsförderung in diesem Zusammenhang wichtig ist, habe ich bereits anlässlich des Bundeswettbewerbs „Bester Schüler in der Alten- und Krankenpflege“ erläutert. Auch erste Ergebnisse einer repräsentativen Pflege-Studie der DGQ wurden im Blogpost „Wir gratulieren Deutschlands bestem Pflegeschüler“ behandelt. Heute möchte ich an dieser Stelle auf weitere Resultate eingehen.

Viele Verbraucher äußern im Rahmen der Studie Bedenken über die Qualität der Pflege in Deutschland. Der Pflege-TÜV, der derzeit vor einer Generalüberholung steht, hat ein Image-Problem: Nur jeder Vierte vertraut den Ergebnissen der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsprüfung uneingeschränkt. Klar wird hier, dass es vielen Verbrauchern an Orientierung und Vertrauen fehlt. Die anstehende Generalüberholung des Pflege-TÜVs ist eine wichtige Chance für die Politik, Verbände und Pflegeeinrichtungen, ein effektives und transparentes Prüfsystem zu erarbeiten, auf das Verbraucher in Zukunft vertrauensvoll setzen können. Die Herausforderung dabei ist die Definition sinnvoller Prüfkriterien. Diese müssen Qualität messbar machen – und zwar glaubhaft. Mechanismen eines guten und zielführenden Qualitätsmanagements zu berücksichtigen, würde den Pflege-TÜV dabei klar voranbringen, denn ein gutes Qualitätsmanagement lebt keineswegs von Dokumentation allein. Vielmehr leitet es zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Einrichtung und entsprechender Weiterentwicklung an. Ausgangspunkt und Ziel der Überlegungen und Maßnahmen des Qualitätsmanagements im Pflegebereich sollten stets der zu betreuende Mensch und sein Wohlergehen sein.

Wichtig für die Zukunft ist zudem sicherzustellen, dass hohe Qualitätsstandards auch über alternative Betreuungsformen hinweg gewährleistet sind. Denn auch das zeigt unsere Studie: Alternative Formen des betreuten Wohnens sind gefragt – vom Wohnkomplex mit professioneller Pflege, über die Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst zu Hause, das Leben in einem Mehrgenerationenhaus bis hin zur Senioren-WG. Dabei steht deutlich mehr als die Hälfte der Befragten ausländischen Fachkräften offen gegenüber. Aufgrund des Personalmangels im Pflegebereich werden diese Experten tatsächlich zunehmend relevant für den deutschen Arbeitsmarkt. Viele Pflegeeinrichtungen und -dienste scheitern jedoch aufgrund bürokratischer Hürden an der Einstellung dieser Fachkräfte. Hier ist die Politik gefragt, die Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen praktikabel zu gestalten.

Es ist höchste Zeit, die Pflegeversorgung einer alternden Gesellschaft zu reformieren und wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen. Die DGQ wird sich jedenfalls weiterhin für das Thema engagieren.

Über den Autor:

Der Diplom-Verwaltungswirt Udo Hansen (63), Präsident eines Bundespolizeipräsidiums a.D., hat unterschiedliche Führungsfunktionen wahrgenommen: Referatsleiter im Bundesministerium des Inneren (BMI), Behördenleiter des Bundesgrenzschutzes (BGS) am Flughafen Frankfurt am Main, Präsident des Bundespolizeipräsidiums Ost. Dabei hat er sich vor allem mit der Einführung von Managementmethoden nach dem EFQM-Modell in größeren Behörden und der Einführung eines Leitbildes für den Bundesgrenzschutz bzw. für die Bundespolizei einen Namen gemacht. Parallel dazu hat Hansen an verschiedenen Hochschulen seine Erfahrungen mit dem Themenfeld Qualität vermittelt. Eines seiner Ziele ist es, die DGQ noch stärker als führende Non-Profit-Organisation für Qualität zu positionieren.

Ein Kommentar bei “DGQ-Studie: Pflege-TÜV in der Vertrauenskrise”

  1. 3c04bdfc2ec539bb25d42b1374a972be Theresa sagt:

    S. g. Herr Hansen! Vielen Dank für ihren sehr interessanten Artikel! Was mich aber dazu verleitet ihnen eine Frage zu stellen. Sollte die Definition sinnvoller Prüfkriterien durch eien NGO erfolgen oder dies der Politik obliegen. Wie ist da ihre Einschätzung? Vielen Dank und LG, Theresa

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