Aufruf zum 20. Geburtstag von ISO 1400128 | 06 | 16

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2016 ist es soweit: DIN EN ISO 14001 feiert 20jähriges Bestehen. Im September 1996 wurde die Umweltmanagementnorm auf ISO-Ebene, im Oktober auf DIN-Ebene geboren. Obwohl ISO 14001 mit starker PDCA-Ausrichtung und hoher Prozessorientierung schon 1996 den modernen Weg in der Managementnormung beschritt, fristet die Norm doch seit Anbeginn ein wenig Schattendasein im Verhältnis zur großen Schwester ISO 9001. Angesichts ihrer Bedeutung für den Umweltschutz ist es nur gerecht, der Norm ISO 14001 anlässlich der Rundung mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken – mit Rückblick, Status Quo und Ausblick.

2004 schrieben wir:

„Erfolgreich etablierte Umweltmanagementsysteme

  • fördern die technische Weiterentwicklung von Anlagen mit einhergehender Ressourcenschonung und damit Reduzierung der Betriebskosten
  • erhöhen die Rechtssicherheit der Betriebsorganisation und damit den Schutz vor straf-, ordnungs-  oder zivilrechtlicher Inanspruchnahme der Leitung und der Mitarbeiter
  • schaffen Transparenz in den betrieblichen Abläufen und damit Reduzierung organisatorischer Fehler

Dabei haben sich die Aufgaben des Umweltmanagementbeauftragten in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet. Während Anfang der 90er Jahre das Aufgabenfeld durch Überwachung von Anlagen überwiegend technisch geprägt war, stehen heute verstärkt Managementfunktionen im Fokus der Beauftragten. Ziel ist die Verbesserung der betrieblichen Gesamtsituation nicht nur in Hinblick auf technische Aspekte wie Erhöhung des Standes der Technik der Anlagen, sondern zusätzlich die sichere Einhaltung der einschlägigen Rechtsvorschriften mit Hilfe der implementierten Managementsysteme. Diese geben Vorgaben für eindeutige Zuständigkeiten (ordnungsgemäße Delegation) und rechtssichere Ablaufverfahren.“

Das schreiben wir 2016 so fort und betonen zusätzlich die wachsende Integration mit anderen Managementsystemen und die 2015er Verfeinerung mittels High Level Structure.

Aber kann es tatsächlich wahr sein, dass die Zielrichtung und Weiterentwicklung der Umweltmanagementsysteme auch nach 20 Jahren noch so stabil in die gleiche Richtung weisen?

Wie nehmen Sie die Entwicklung von ISO 14001 wahr?

Wie hat ISO 14001 den Lebensweg und den Umweltschutz Ihrer Organisation und vielleicht auch Ihren eigenen Lebensweg beeinflusst? Auf welche Ergebnisse ist Ihr Unternehmen stolz? Wie schätzen Sie die Entwicklung der Umweltmanagementsysteme ein? Was sollte in den nächsten zehn Jahren mit Umweltmanagementsystemen nach ISO 14001 passieren?

Ich freue mich sehr, dass ich seit 1998 mit Tätigkeiten rund um ISO 14001 einen Beitrag für den Umweltschutz in Organisationen leisten darf und nun diesen Austausch starten kann. Seien auch Sie dabei! Kommentieren Sie diesen Beitrag hier im Blog oder wenden Sie sich auch gern direkt an mich (nc@dgq.de). Wir sind auf Ihre Beiträge gespannt.

Über den Autor:

Claudia Nauta, geb. 1969 in Herten/Westf., ist seit 2004 bei der DGQ in der Weiterbildung beschäftigt. Sie verantwortet dort die Trainings zu Umwelt-, Energie-, Arbeitsschutzmanagementsystemen, Prozessmanagement und Audits. Die Anwendung der ISO-Normen hat sie vorab in der Beratung und in Stabstellenfunktion von der Pike auf gelernt und nebenberuflich als Auditorin in der Zertifizierung sowie als EFQM-Assessorin verfeinert. Die Erfahrungen mit Managementsystemen aus unterschiedlichsten Branchen kombiniert sie in der Weiterbildung mit erwachsenenpädagogischen Konzepten.

4 Kommentare bei “Aufruf zum 20. Geburtstag von ISO 14001”

  1. Schönen guten Abend Frau Nauta,

    meine Erinnerungen an die ISO 14.001 sind noch nicht sehr alt – und leider nicht nur mit Positivem verbunden.

    Im Jahr 2006 durfte ich in einem Kunststoff verarbeitenden Unternehmen ein QM-System nach DIN ISO 22.000 einführen.

    Im Jahr darauf sollte die 14.001 folgen, weil ein Berater damals prognostiziert hatte, dass sich die Steuererleichterungen für energieintensive Unternehmen auch auf Umweltmanagementsysteme erstrecken sollten.

    Daraufhin hat das ganze Unternehmen auf die Einführung der 14.001 hingearbeitet – und rund ein halbes Jahr später wurde bekannt, dass für die Erleichterungen im Sinne des EEG die Einführing eines Energiemanagementsystems nach ISO 50.001 obligat sind.

    Die ISO 14.001 kann zwar nichts dafür, ich werde sie aber dennoch immer mit sehr hohem hem Aufwand verbinden, der in der Folge dann keine Wirkung im Unternehmen entfalten konnte.

    Viele Grüße aus dem Teutoburger Wald

    Florian Frankl

  2. Claudia Nauta sagt:

    Guten Morgen Herr Frankl,

    da hat sich sicher nicht nur Ihr Unternehmen gewünscht, seinen Standort in Italien zu haben, siehe https://www.tenag.de/media/file/EED_Overview_Europe.pdf . Dort wird beispielsweise ISO 14001 zur Umsetzung der EED-Richtlinie akzeptiert. Vielen Dank, dass Sie auf diesen für deutsche Unternehmen nicht ganz glücklichen Umstand aufmerksam machen. Eine Anerkennung von ISO 14001, um die gesetzlichen Forderungen zur Energieeffizienz zu erfüllen, hätte deren Einhaltung erleichtert. Interessierte finden übrigens auf http://www.dqs.de/standards/nachhaltigkeit/energiemanagement/iso-50001 einen sehr guten Überblick und Informationen zu den Spielregeln in Deutschland.

    Ihre Erfahrung wirft außerdem einige interessante neue Fragen auf:
    Wirkt ISO 50001 bei der Verbesserung der Energieeffizienz effizienter als ISO 14001?
    Wie steht’s mit eventuellen Zielkonflikten zu anderen Umweltmedien, wenn sehr stark auf Energie fokussiert wird?
    Inwiefern brauchen wir für effizienten Umweltschutz spezifischere Umweltnormen als ISO 14001, also jeweils eigenständige für Energie, Wasser, Stoffkreisläufe, Boden etc.?
    Warum wird in ein Umweltmanagementsystem investiert? Nur, wenn es gesetzlich gefordert wird?
    Welche Umstände treiben den Aufwand für eine ISO 14001-Einführung hoch?

    Wir sammeln weitere Erfahrungsberichte und Meinungen.

    Ihnen ganz herzlichen Dank und sonnige Grüße aus dem 17. Bundesland

  3. 7000af16efe6d4d20ca0c132dcc1e0be Hans W. Werner sagt:

    Guten Tag Frau Nauta,
    unser Unternehmen feiert in diesem Jahr ebenfalls die 20-jährige Zertifizierung nach ISO 14001. Ich erinnere mich noch genau, wie ich der Geschäftsführung eine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von ISO 14001 und der EMAS-Verordnung präsentiert habe. Ich möchte ergänzen, dass wir zu diesem Zeitpunkt auch schon bereits 10 Jahre nach ISO 9001 zertifiziert waren. Meine Empfehlung von damals halte ich auch noch aus heutiger Sicht für absolut richtig.
    Wenn man nun aber einmal zurückblickt, welchen Stellenwert die Anstrengungen zur Qualität im Vergleich zu denen zur Umwelt haben, so kann ich nur feststellen, dass sich bei uns Versäumnisse im Qualitätsmanagement viel empfindlicher in der Performance des Unternehmens niederschlagen als solche im Umweltmanagement. Dies gilt natürlich nur, weil schon ein guter Umsetzungsstand mit beiden Systemen erreicht wurde. Daher werden im Zweifelsfall (zumindest bei uns) die Prioritäten gesetzt nach dem Motto: „Qualität ist Pflicht, Umwelt ist Kür“.
    Auch sind wir nach ISO 50001 zertifiziert, was wir auf Basis des bestehenden UM-Systems relativ leicht und noch vor der Verpflichtung durch das EDL-G erreichen konnten. Da hat sich die weitgehende Implementierung der ISO 14001-Anforderungen durchaus als sehr nützlich erwiesen. Für uns ist das Energiemanagement aber nur eine Untermenge des Umweltmanagements und ich würde es begrüßen, wenn diese beiden Normen in eine verschmolzen werden – auch um den Aufwand für Zertifizierungen und die damit verbundenen Audits zu reduzieren.
    Freundliche Grüße
    Hans W. Werner

  4. Claudia Nauta sagt:

    Vielen Dank für Ihre Schilderung und beste Glückwünsche für 20 Jahre praktizierte ISO 14001!

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