Auf die richtige Qualitätsmanagement-Methode kommt es an15 | 11 | 16

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Qualitätsmanagement ohne Methoden: Nicht vorstellbar

Es gibt eine Fülle unterschiedlichster QM-Methoden. Manche werden nur in einzelnen Branchen oder Unternehmen angewendet, manche übergreifend. Einige sind zu Unrecht verschrien oder vernachlässigt, andere wiederum fast schon – neudeutsch gesprochen – gehyped.

Ein großer Teil der Methoden kommt ursprünglich aus der Automobilbranche oder dem Maschinenbau. Besonders in für QM jungen Branchen wie dem Gesundheits- und Sozialwesen werden diese Methoden jedoch häufig kaum angewendet. Sie gelten als zu kompliziert oder nicht passend. Umgekehrt haben sich in diesen Bereichen auch Methoden entwickelt, die in den „klassischen“ Bereichen kaum beachtet werden. Beispiele hierfür gibt es auf dem DGQ-Qualitätstag, der diese Woche in Berlin stattfindet.

Qualitätsmanager als Organisationsentwickler – ein Rollenspiel zeigt, wie es funktioniert

So entdecken z. B. immer mehr Qualitätsmanager, dass sie im Endeffekt auch Organisationsentwickler sind oder sein können. Diese neue Perspektive bringt jedoch auch einige Herausforderungen mit sich. Insbesondere im Bereich der Anwendung der geeigneten Methoden liegen hier Stolpersteine. Der Fachkreis Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung hat daher ein Rollenspiel entwickelt, in dem Sie das Thema selbst erleben und reflektieren können – im Workshop „Organisationsentwicklung erleben – Ein Rollenspiel“. Ziel dabei ist es – auch in schwierigen Situationen richtig zu reagieren und geeignete Methoden anzuwenden.

Neue Auditformen fördern den Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitern

Audits sind in vielen Organisationen ein verschrienes Tool, da sie häufig nur dazu dienen, ein Zertifikat zu erhalten – das das Unternehmen im Zweifel nicht einmal vorwärtsbringt, sondern lediglich vom Kunden aus unerfindlichen Gründen gefordert wird. Sinnvoll eingesetzt können Audits jedoch ein höchst wirkungsvolles Instrument zur Verbesserung der Organisation sein. Eine recht neue Auditmethode, die dies ganz explizit und insbesondere schnell und einfach ermöglichen soll, ist das Layerd Process Audit. Ein anderer Workshop auf beim Qualitätstag stellt sie in den Fokus. Bei dieser Methode sind Führungskräfte und ihre Mitarbeiter in einem regelmäßigen und unmittelbaren Austausch. Dabei arbeiten sie gemeinsam direkt im und am Prozess mit dem Ziel, das Ergebnis unmittelbar zu optimieren.

Wirksamkeitsmessung gewinnt in der sozialen Dienstleistung an Bedeutung

In vielen Bereichen ist die Wirksamkeitsmessung von Maßnahmen ein „alter Hut“. Im Bereich der sozialen Dienstleistungen entwickelt sich dieses Feld in den vergangenen Jahren mehr und mehr. Dabei sind bereits verschiedene Wirksamkeitsmodelle entstanden, die immer häufiger angewendet werden. Doch welche Modelle es genau gibt, wie sie mit dem Bundesteilhabegesetz übereinstimmen und welchen Nutzen sie in Verbindung mit QM für pädagogische Mitarbeiter haben, ist nicht immer klar. Aktuell werden diese Themen in vielen Bereichen der sozialen Dienstleistungen und der Politik diskutiert. Auch die Fachleute aus der DGQ bringen sich hier gemeinsam in Stellung. Mehr erfahren

Auf dem DGQ-Qualitätstag am 17. November in Berlin möchten die Fachkreise und Projektgruppen mit Ihnen in einen intensiven Dialog treten und die oben genannten Themen in spannenden und agilen Workshops weiter bearbeiten. Ich würde mich freuen, wenn Sie dabei sind.

Über den Autor:

Katrin Kemm ist Marketing Managerin bei der Deutschen Gesellschaft für Qualität. Vorher hat sie in einer Kommunikationsberatung gearbeitet und an der Philipps-Universität Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Ursprünglich kommt sie aus Lübeck – und fühlt sich im hohen Norden noch immer zuhause.

kk@dgq.de 0 69 954 24-180

2 Kommentare bei “Auf die richtige Qualitätsmanagement-Methode kommt es an”

  1. Kai Behrends sagt:

    LPA – Neue Auditform? Oder weder neu noch Audit? Gar von üpl*?
    Zunächst zu den ‚unerfindlichen Gründen‘: Audits sind der Check-Schrit im Managementsystemprozess. Sie sind mit dem Zertifikat Teil des Leistungsversprechens an den Kunden. Die Botschaft ist: „Wir überprüfen auch selbst die Wirksamkeit unserer Qualitäts-, Umwelt-, Arbeitssicherheits – oder was auch immer Anstrengungen – um dem Kunden das Vertrauen zu geben, dass er seine Überprüfungen(z.B. Lieferantenaudits) auf Stichproben beschränken kann“. Das ist in weiten Teilen hochwirksam und bewährt. Dass Organisationen dabei zum Teil versagen liegt am geringen Anspruch der Führung an die eigenen Managementsystemprozeduren, wertet aber Audits als Methode sicher nicht ab (wie der blaue Daumen seit Jahrhunderten den Einsatz des Hammers kaum nachteilig beeinflusst).

    LPA sind eine seit der Jahrtausendwende (neu?) bewährte Führungsmethode, mit der Vorgesetzte aller Ebenen die Übereinstimmung der konkret betrachteten Prozessschritte mit den Vorgaben bestätigen. Aussage: „in meinem Arbeitsbereich halten wir uns an die Anweisungen“. Na toll… Das entspringt der oft ‚kontrollierend‘ wahrgenommenen us-amerikanischen und teils ‚kleinkarierten‘ japanischen Shopfloorkultur der ‚Erfinder‘ (Ford, Chrysler, Toyota). Ich meine, wir fahren mit der weitgehend eigenverantwortliche Wahrnehmung der Aufgaben in ‚Meister und Facharbeiterkultur‘ deutlich besser.
    Layer(ed) Process ‚Audits‘ sind ehrlicherweise als Confirmations einzurodnen also ‚Konformitätserklärungen‘. Sie sind kaum als Audits anzuerkennen, weil sie eine Grundbedingung nicht einhalten: Die Führungskraft ‚begutachtet‘ im eigenen Arbeits-Bereich. Diese Eigen-Kontrolle ist sicher nicht als Audit zu werten – und schon gar kein Ersatz für objektive Prozessaudits. IATF 16949 akzeptiert LP’A‘ sehr klar als eine Möglichkeit zur Überprüfung von Produktionslenkungsplänen. *ÜPL wäre also eine klare und objektive Bezeichnung dieses (unbestritten wirksamen und seit 15 Jahren bewährten) Führungsinstruments.

  2. b014ce28fecac274a131f11865c715f0 Christopher Kücholl sagt:

    Der Eingangsthese, dass einige Methoden fast vergessen und andere wiederum gehypt werden, möchte ich zustimmen. Es gibt sowohl im Qualitätsmanagement als auch in anderen Managementdisziplinen schier unübersichtliche Methodensammlungen. Ich denke, das Problem ist die unterschiedliche Sichtweise auf Methoden.

    Die einen bedienen sich mit vollen Händen an den Methodensammlungen, teilweise ohne auf die Sinnhaftigkeit der Anwendung zu achten. („Diese Methode müssen wir auch einsetzen, die wenden gerade alle in der Automobilindustrie an.“)

    Die anderen stehen Managementmethoden skeptisch gegenüber, da sie ihnen nicht praktisch genug, sondern mehr als Managementspielerei vorkommen.

    Beide Extreme sind nicht zielführend. Ich denke, der Einsatz von Managementmethoden ist durchaus berechtigt. Wichtig ist es, diese Werkzeuge nicht blind anzuwenden. Ich finde es durchaus legitim, wenn man sich die Methode zurecht formt – Dinge hinzufügt, weglässt oder anders herangeht. Man kann durchaus auch Methoden in einem anderen Kontext anwenden.

    Das alles setzt natürlich ein gutes Methodenverständnis voraus. Ich begrüße daher auch die Bestrebungen der DGQ andere Gebiet, z.B. die Organisationsentwicklung, einzubeziehen. Diese Interdisziplinarität ist wichtig, um Methoden effizient anzuwenden.

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