An der schwarzen Null gibt es nichts zu rütteln18 | 11 | 15

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Was sich im ersten Moment wie ein unverschämtes Dementi Schäubles hinsichtlich seiner Ambitionen in Richtung Kanzleramt anhört, ist in Wahrheit eine flapsige Buchhalter-Floskel, in diesem Fall aber des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Bundestagsfraktion. Die hat er gegenüber dem „Handelsblatt“ losgelassen, was okay ist, weil Handelsblatt-Leser die Botschaft natürlich im Nu dechiffriert haben; kurz darauf stand es dann auch in ganz normalen Tageszeitungen – meist unkommentiert natürlich, aber immerhin: Es stand da.

In der Kameralistik, der Methode, nach der Bund und Länder ihre Bücher führen, sind Nullen, jedenfalls wenn sie „unter dem Strich“ stehen, immer schwarz, das bedeutet: Der Haushalt ist ausgeglichen. Wer das weiß, versteht die Meldung, wer nicht, liest drüber weg, denkt entweder gar nichts oder – was bestenfalls zur Erheiterung der Wissenden beiträgt – eben an etwas ganz anderes. Das eigentlich Verwunderliche ist aber, dass so etwas überhaupt groß in der Zeitung steht.

Und wie ist das beim Thema Qualitätsmanagement?

Gibt es da auch Chiffren, die nur Insider verstehen? Ja, massenweise, wie wir wissen. Und das ist auch überhaupt nicht förderlich! Was aber viel schlimmer ist: Unser Thema schafft es in der Regel gar nicht in die Zeitung. Und wenn doch, dann irgendwo als Randnotiz in einem Provinzblatt, inhaltlich meist schräg und zudem oft noch mit plump werblichem Charakter: „… wurde der Müller GmbH von den Prüfern(!) erneut bestätigt, auf höchstem Qualitätsniveau zu produzieren …“ etc. Sorry, da läuft etwas schief.

Wenn man das Insider-Bohei um die Revisionen mit der Resonanz(?) in der Presse vergleicht, tun sich Welten auf. Die Frage, die sich dabei stellt: Ist das Thema wirklich so unwichtig, dass darüber niemand berichten will, oder versäumen es die Protagonisten der Q-Szene nur „nachhaltig“, dessen Bedeutung angemessen und professionell zu transportieren? Ich bin für letzteres!

Wovon lebt erfolgreiches Marketing?

Wovon lebt erfolgreiches Marketing? Von der öffentlichen Wahrnehmung. Solange Qualitätsmanagement nicht auch in der Öffentlichkeit sexy ist, passiert – zu wenig. Die Öffentlichkeit: Das sind die Menschen, die in den Betrieben (im Kleinen) für die Umsetzung der Qualitäts-Idee zuständig sind, im Prinzip jeder einzelne Beschäftigte. Sie zu erreichen, ist eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Unterschied, ob eine Norm Qualitätsforderungen gleichsam aufsagt, oder ob solche Überlegungen z. B. über die Medien als wichtige Aufgaben transportiert werden, quasi als positives Allgemeingut.

Was tun? Wenn jeder Hinterbänkler (also z. B. des Bundestages) es schafft, mit seiner müden Story (wie mit der schwarzen Null) ein Sommerloch zu füllen, dann kann unser Anliegen doch nicht allzu schwer zu vermitteln sein. Was zeichnet ansonsten nicht immer vorbildlich agierende Lobbyisten aus? Sie sind zäh, sie bleiben dran, sie wollen nur eins: Ihre Sache durchbringen! Redaktionen mit beliebigen Nachrichten zu Qualitäts-Themen zu überhäufen, ja zu belästigen, weil kaum einer die Botschaft versteht: Das läuft ins Leere. Mit einer für Journalisten, im Weiteren für die Leser verständlichen Sprache Werbung für unsere Sache zu machen, das ist die Aufgabe.

So, genug aufgeregt, jetzt können wir wieder auf die schwarze Normalnull runterfahren und so tun, als würde sich das alles schon fügen …

Über den Autor:

Peter Blaha, geboren 1954 in Frankfurt am Main, ist freier Journalist mit Spezialisierung auf „Managementsysteme“ und „Weinwirtschaft“ und DGQ-Mitglied. Er widmet sich neben der Erstellung von Fachbeiträgen seit jeher (und mit Vorliebe) dem nach seiner Meinung oft viel zu wenig beachteten Phänomen unklarer bis kurioser Formulierungen und Schreibweisen in der deutschen (Q-)Sprache. Wer dabei eine gewisse Nähe zur Argumentation des bekannten Journalisten Wolf Schneider zu erkennen glaubt, liegt nicht ganz falsch.

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