Werteorientierung als Motor für mehr Team-Resilienz28 | 07 | 22

„Achtsamkeit in der Projektarbeit und Resilienz von Projektteams“, lautete der Titel eines Workshops, den der gemeinsame Fachkreis „Qualität und Projekte“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) im August 2019 im Kloster Springiersbach durchgeführt hat. Wunsch war, sich mit Themen wie Stress-Management, achtsames Arbeiten und Resilienz auseinanderzusetzen und konkret daran zu arbeiten. Das Thema „Achtsamkeit“ war schon zuvor verschiedentlich im gemeinsamen Fachkreis aufgekommen. Ein großer Teil der Mitglieder des Fachkreises hatte im Arbeitsalltag die Erfahrung gemacht, dass weiche Faktoren, wie beispielsweise Flexibilität, Kreativität oder Empathie im Wesentlichen den Teamgeist positiv beeinflussen. Die Arbeit macht dann mehr Spaß und auch Mehrarbeit führt nicht zu negativem Stress. Selbst Misserfolge nehmen die Teammitglieder dann eher als sportliche Herausforderungen, denn als Abbruchgründe wahr.

Ein Thema des Workshops waren unsere konkreten Erfahrungen mit Rückschlägen und deren Umgang in den betroffenen Teams. Eine wesentliche Erkenntnis hierbei bestand darin, dass Teams, die gemeinsame Wertvorstellung teilten, besser mit Rückschlägen umgehen konnten. Gleichzeitig waren es auch die Teams, in denen sich die Mitglieder wohl fühlten und in denen es ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl gab. Zu den Werten die Teams stärken, beziehungsweise die Teams aufwiesen, die gut mit Rückschlägen umgehen konnten, gehören beispielsweise Flexibilität, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Leistungsbereitschaft, Loyalität, Respekt, Toleranz, und Verbindlichkeit.

Bei näherer Betrachtung der Werte stellten wir interessante Korrelationen fest. Zum einen korrelieren die Werte, die Teams stärken, mit den Resilienzfaktoren, wie zum Beispiel „Beziehungen gestalten“, „Verantwortung übernehmen“ oder „Lösungsorientierung“. Zum anderen korrelierten die Werte auch mit dem agilen Wertekanon (zum Beispiel: „Wir schätzen Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“), der auch die Basis der agilen Vorgehensweise im Fachkreis ist.

Diese Erkenntnis hat uns so beschäftigt, dass der ursprünglich geplante Beitrag für den DGQ-Qualitätstag 2019 ersetzt wurde. Ziel des neu entwickelten Workshops war die Beantwortung der Frage, wie ein gemeinsamer Wertekanon die Widerstandsfähigkeit von Teams dabei unterstützt, die digitalen Herausforderungen der VUKA-Welt zu meistern, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Das Ergebnis war dabei, dass der Mensch im Spannungsfeld des magischen Dreiecks aus Qualität – Kosten – Zeit einen eigenständigen vierten Faktor darstellt. Als Teil eines wertebasierten Teams kann er einerseits erfolgreicher und andererseits gesünder agieren.

 

Eigene Darstellung, Fachkreis „Qualität und Projekte“

Fazit

Basierend auf unseren Erfahrungen gehen Teams mit gemeinsamen Werten mit unerwarteten Ereignissen schneller und flexibler um, als Teams mit vereinbarten Regeln. Das erklärt, warum agile Teams, die die agilen Werte verinnerlicht haben, erfolgreicher sind als Teams, die nur agile Methoden einsetzen.

Nach unserer Einschätzung besteht folgender Wirkzusammenhang: Wenn wir etwas entscheiden, tun wir das immer auf Basis unserer Werte. Manchen Menschen ist dies bewusst, anderen dagegen nicht. Vermeiden lässt es sich aber nicht. Wenn in einem Team mit einem gemeinsamen Werte-Kanon etwas Unerwartetes geschieht, entscheiden alle Teammitglieder nicht unbedingt in allen Punkten gleich. Die Entscheidung geht aber immer in dieselbe Richtung, weil der Werte-Kompass ähnlich ist.

Bei einem Regelbasierten Team ist das anders. Wenn hier die Mitglieder unabhängig voneinander entscheiden, kann die Entscheidung diametral entgegengesetzt sein. Deshalb können Teams mit gemeinsamen Werten viel schneller entscheiden und sich auf eine neue Situation einstellen.

 

Über die Autoren:

Thomas Dörr ist Sprecher des gemeinsamen Fachkreises „Qualität und Projekte“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM); bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist er sowohl in Projekten als auch im Qualitäts- und Prozessmanagement tätig.

Hildegard Schuller ist Mitglied im gemeinsamen Fachkreises „Qualität und Projekte“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) und seit einigen Jahren als Scrum Masterin in einer Tochtergesellschaft einer deutschen Bank tätig. Sie war vorher für das Qualitätsmanagementsystem verantwortlich und arbeitete auch als Projektleiterin.

Kontakt:
Thomas Dörr, Sprecher des gemeinsamen Fachkreises, fk-qp@dgq.de und fk-qp@gpm-ipma.de

Über den Autor:

Thomas Dörr ist Sprecher des gemeinsamen Fachkreises „Qualität und Projekte“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM); bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist er sowohl in Projekten als auch im Qualitäts- und Prozessmanagement tätig.

fk-qp@gpm-ipma.de

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