So sieht‘s aus…wenn wir versuchen, Menschen in Schablonen zu pressen25 | 08 | 21

Im DGQ-Mitgliederwebinar am 12. August zum Thema „Fokus Mensch“ sprach ich unter anderem über unterschiedliche Menschenbilder, die uns in Organisationen, im Arbeitsleben und in der Gesellschaft begegnen. Wir selbst pflegen ein bestimmtes Menschenbild und bei anderen, auch bei Führungskräften, können wir mit der Zeit erkennen, welches Menschenbild ihre Entscheidungen und ihr Verhalten prägt.

In vielen Organisationen gehört zum Menschenbild wohl auch die Vorstellung, dass Menschen sehr weitgehend formbar sind. Wie sonst könnte es sein, dass viele, die Menschen einstellen, zuerst die Lücke oder Schablone im Unternehmen definieren und dann Menschen suchen, die sie möglichst exakt ausfüllen? Und sie dort, wo sie es nicht tun, versuchen in die Schablone zu pressen? Zuerst definieren wir also Aufgaben, Ziele, Kompetenzbedarf, Ressourcenausstattung, Platz im Organigramm – und dann suchen wir jemanden, der oder die möglichst gut dazu passt. Der Ansatz klingt doch völlig schlüssig und plausibel, wo ist also der Haken?

Es funktioniert einfach zu oft nicht und führt zudem immer wieder dazu, dass wir Ressourcen, Stärken und Talente nicht nutzen, uns viel zu sehr auf Defizite fokussieren und Menschen, einschließlich uns selbst, unglücklich machen.

Ganz anders der Ansatz, eine Organisation um ihre konkreten Menschen „herum zu bauen“ und so die Stärken aller sehr viel besser ins Spiel zu bringen. In der Regel wird das in einem iterativen Prozess erfolgen. Es ist also durchaus okay, im Rahmen der Strategie ein Suchprofil zu spezifizieren. Sobald aber jemand ausgewählt wurde, gilt es, das was er oder sie mitbringt und nicht mitbringt zu berücksichtigen und in diesem Zuge auch die Spezifikation anzupassen. Was nichts anderes bedeutet, als Prozesse, Aufgaben und sogar Ziele entsprechend anzupassen.

Das passt auch zu der Weisheit „Hire for attitude, train for skill“: suche Menschen, die in deine Organisation passen, unbedingt und gerade auch in die Kultur, und bringe Ihnen bei, was sie können und wissen müssen. Aber, s.o., entlang der Stärken, nicht entlang der Schwächen.

Wie ist das in Ihrem Unternehmen? Wurden und werden Sie selbst auch in Schablonen gepresst oder hat sich die Organisation um Ihre Stärken herum angepasst?

Über den Autor:

Benedikt Sommerhoff analysiert für die DGQ Trends und richtet die Themenarbeit des Vereins darauf aus. Mit Kolleginnen, Kollegen und Mitgliedern der DGQ arbeitet er an den Zukunftsthemen, die Wirtschaft und Gesellschaft und besonders das Qualitätsmanagement und die Qualitätssicherung beeinflussen und prägen werden. Er hat an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert, an der Bergischen Universität Wuppertal promoviert und ist seit 21 Jahren in unterschiedlichen Fach- und Führungspositionen für die Deutsche Gesellschaft für Qualität tätig.

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