So sieht’s aus: Mensch bleiben trotz oder mit Digitalisierung27 | 10 | 21


Als Homo Faber, „schaffender Mensch“, gestalten wir seit Jahrtausenden unsere Umwelt. Natürlich stoßen wir dabei auch an die Grenzen mächtiger Naturgewalten – und an eigene Grenzen. Doch sehr weitgehend haben wir unsere Lebensräume selbst gestaltet. Allerdings nicht immer zum Vorteil aller.

Viele sind wir geworden, 7.897.625.112 sind es jetzt, während ich dies schreibe und pro Sekunde werden vier bis fünf Menschen geboren, zwei sterben. In Deutschland mit seinen „nur“ 83.212.728 Menschen stehen uns überdurchschnittlich viele Ressourcen zur Verfügung, die meisten Menschen auf der Welt haben weniger, auch sehr viel weniger als wir.

Machen uns unser Errungenschaften eigentlich glücklich? Manchmal scheint es mir, als passen das Maß an zivilisatorischen Errungenschaften einerseits und das Maß an Glücklich sein andererseits nicht zusammen. Unsere Errungenschaften, die uns eigentlich entlasten sollen, haben neue Ängste, Sorgen und Belastungen geschaffen. Einerseits ist es ohne Digitaltechnik in Landwirtschaft, Infrastrukturmanagement, Logistik, Produktion, Dienstleistung und Handel schon heute nicht mehr möglich, die fast 8 Milliarden Menschen zu ernähren und darüber hinaus mit dem Nötigsten zu versorgen. Andererseits erzeugt sie Dynamiken, denen viele Menschen psychisch nicht mehr gewachsen sind.

Wir laufen insbesondere im Arbeitsleben Gefahr, die Menschen an den Rand zu drücken oder sie gar überflüssig zu machen. Denn im Laufe der Geschichte haben wir, vor allem durch die Digitalisierung, immer mehr unserer Fähigkeiten (s. Grafik) substituiert: Maschinen haben uns von schwerer körperlicher Arbeit entlastet. Nach und nach haben sie auch unsere Fähigkeit zur Feinmotorik ersetzt. Künstliche Intelligenz (KI) greift jetzt sogar unser Wissensmonopol an. Zwar bietet diese Entwicklung zahlreiche Vorteile, so z.B. die Bewahrung vor körperlichen und psychischen Schäden durch schwere, stupide oder auf andere Weise belastende Arbeit. Doch sie beraubt auch immer mehr Menschen der Möglichkeit, sich mit ihren spezifischen Fähigkeiten nützlich und sinnvoll einzubringen.
Ein Alleinstellungsmerkmal kann uns erhalten bleiben: die Fähigkeit zur Empathie. Ich will nicht glauben, dass wir das jemals an KI delegieren können und werden.

In unseren Rollen als Qualitätsingenieur:innen und Qualitätsmanager:innen sind wir oft beteiligt an der fortschreitenden Technisierung und Digitalisierung unserer Unternehmen. Wir können und sollen diese nicht aufhalten. Im Gegenteil, wir sind dazu verpflichtet, alle Register zu ziehen, um Ressourcenverbrauche zu senken, Fehler und Schäden zu verhindern und Produktqualität für Menschen zu steigern. Die Digitalisierung schafft dafür beindruckende neue Möglichkeiten. Wir haben aber auch Verantwortung für unsere eigene Arbeits- und Lebensqualität. Und wir haben Mitverantwortung für die von anderen Menschen, Mitarbeitenden, Kolleginnen und Kollegen im eigenen Unternehmen, bei Kunden und bei Lieferanten.

Die Technik, Unternehmen und die Wirtschaft sind keine fühlenden Akteure. Wenn wir postulieren, der Wirtschaft oder den Unternehmen müsse es gut gehen, dann nur, damit es Menschen gut geht. Geht es einem Unternehmen gut aber seinen Menschen schlecht, haben wir etwas falsch gemacht. Wir müssen Menschen wieder stärker in den Fokus nehmen.

In der DGQ wollen wir den „Fokus Mensch“ setzen und Themen und Inhalte sammeln und ausarbeiten, die uns helfen, menschengerechte Produkte, Prozesse, Managementsysteme und Organisationen zu gestalten. Und solche Themen und Inhalte, die uns ganz persönlich helfen uns gesund zu erhalten, Arbeits- und Lebensfreunde zu gewinnen und auch anderen eine Ressource dafür zu sein.

Was sind Ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zum „Fokus Mensch“?

Über den Autor:

Benedikt Sommerhoff leitet bei der DGQ das Themenfeld Qualität & Innovation. Er beobachtet, analysiert und interpretiert die Paradigmenwechsel und Trends in Gesellschaft und Wirtschaft sowie ihre Wirkungen auf das Qualitätsmanagement. Seine zahlreichen Impulse in Form von Publikationen und inspirierenden Vorträgen geben Orientierung in Zeiten des Wandels. Sie ermutigen zur Neukonzeption des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten des DGQ-Netzwerks aus Praxis und Wissenschaft arbeitet Sommerhoff in Think Tanks und Pionierprojekten an der Entwicklung, Pilotierung und Vermittlung innovativer Konzepte und Methoden.

18 Kommentare bei “So sieht’s aus: Mensch bleiben trotz oder mit Digitalisierung”

  1. 4579928bb9763ad80e6d8debe1e9c7f6 Martina Unger sagt:

    Um uns auf anderen Menschen zu fokussieren, Service anzubieten, Mitarbeitern und Kunden zu dienen, partnerschaflich mit Lieferanten umzugehen, bedarf es EMPATHIE UND MITGEFÜHL wie Sie bereits erwähnt haben. Und das ist nur möglich, wenn man sich auf die Reise zu sich selbst macht. Alles das, was man z.B. in Produktentwicklung, Sales und Marketing und Quality an Tools nutzt, um die AUSSENWELT zu analysieren – Kundenberfragung, Chancen- und Risikobewertung, SWOT, Schwachstellenanalysen, Auswertung von Vergangenheitsdaten, Cause & Effect-Analysen etc…..

    Im übertragenen Sinne macht es Sinn, diese Tools erstmal für SICH SELBST anzuwenden um seine INNENWELT kennenzulernen. Nur so kommt man….

    … a) an seine Stärken – die man bei anderen Menschen entdecken und fördern kann (Lob, Ermutigung)

    … b) an seine dunklen Seiten, Schwächen, Trigger, Ängste etc. Nur wenn man die kennt, kann man wahre Empathie und Mitgefühl für andere haben, Kollegen, Mitarbeiter, Stakeholder, Kunden, Lieferanten etc.

    Und ist das gelungen, kann sich eine nachaltige Verbindung etablieren – getragen von Ehrlichkeit und Vertrauen.

    Nur CommYOUnities sichern das Überleben. Denn alle hängen mit allen zusammen. Wie uns das Weltgeschehen zeigt.
    Dann ist ein Kohärenzgefühl möglich – das schöne Gefühl wenn Innen- und Außenwelt im Einklang sind.

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Da stimme ich Ihnen zu, Frau Unger, bei uns selbst muss der Fokus Mensch beginnen.

  2. d2dba085f5c44a2992e6946004b6f248 Hubert Vogl sagt:

    Hallo Herr Sommerhoff, ich weiß ich gehe mit meiner Antwort nicht direkt auf Ihre Frage ein, aber es ist mir sehr wichtig: Sie schreiben „Einerseits ist es ohne Digitaltechnik in Landwirtschaft, Infrastrukturmanagement, Logistik, Produktion, Dienstleistung und Handel schon heute nicht mehr möglich, die fast 8 Milliarden Menschen zu ernähren“, Dies mag so richtig sein, allerdings könnten wir Menschen einen erheblichen Beitrag dazu leisten die globale Ernährungsproblematik zu entschärfen, wenn wir nur alle bereit wären, deutlich weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren. Gleichzeitig würden wir nicht nur der Umwelt einen Gefallen tun sondern vor allem uns selbst, da ja mittlerweile viele Studien und selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die gesundheitlichen Vorteile einer im Schwerpunkt pflanzlich ausgerichteten Ernährung als wissenschaftlich bewiesen ansehen. Wir sehen also: Der Mensch steht im Fokus trotz Digitalisierung ! Viele Grüße Hubert Vogl

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Völlig richtig, Herr Vogt, was und wie wir konsumieren spielt eine große Rolle, sowohl fürs große Ganze aber auch für die eigene Gesundheit und Befindlichkeit. zu viele essen zu viel Fleisch, ruinieren die eigene Gesundheit und belasten die Gesellschaft. Leider ist es so, dass wenn die reichen Gesellschaften ihren übermäßigen Fleischkonsum reduzieren, das mehr als kompensiert wird, wenn vormals arme Gesellschaften und Arme, die sich kein oder nur sehr wenig Fleisch leisten konnten nun mit zunehmendem Wohlstand auch nur etwas mehr Fleisch konsumieren.

      Gleich muss ich wieser anklicken, dass ich kein Roboter bin…

      1. d2dba085f5c44a2992e6946004b6f248 Hubert Vogl sagt:

        Ja aber warum essen denn die armen Länder wenn Sie zu mehr Wohlstand kommen mehr Fleisch? Weil Sie sich an den reichen Ländern orientieren und uns in diesem Bereich leider als Vorbilder nehmen, die es nachzuahmen gilt. Würden wir endlich beginnen in den reichen Ländern mehr auf pflanzliche Ernährung umzustellen und die Vorteile hieraus auch entsprechend kommunizieren, dann würde das sicherlich auch Auswirkungen haben auf unsere Vorbildfunktion.

    2. 4579928bb9763ad80e6d8debe1e9c7f6 Martina Unger sagt:

      Guten Morgen Herr Vogl – ihre Antwort finde ich schon passend. Zwar um die Ecke gedackt …. doch die Digitalisierung führt z.B. zu viel mehr Homeoffice – was ich begrüsse. Meine Vorteile: zu Hause kann ich mich ernähren, wie es mir wichtig ist: fleischlos und gesund – zu Zeiten, die zu meinem Lebensrhytmus passen. Eine Firmenkantinte mit festen Zeiten kann mir das nicht bieten. Im Homeoffice fühle ich mich selbstwirksamer und kann meine Individualität 100ig ausleben. In einer mit angemessenen und gesünderen Umgebung (Licht, Lautstärke, Luft, Farben, Materialien, Düfte, Klänge etc.). Im Homeoffice hab ich viel mehr Möglichkeiten der Entspannung (Balkon, Yoga, Klavier…). Zudem sind – Dank Digitalisierung und Homeoffice – Statussymbole bedeutungslos geworden (z.B. Chefbüro, Firmenfahrzeug, Parkplatz in Geschäftsleitungsgarage, Kleiderordnung etc.). Ich empfinde den größten Vorteil, dass wir uns mehr als Individuum begegnen – durch online-Meetings kann ich zudem besser sehen und hören – ohne Ablenkung – und viel besser als im Konferenzraum.

      Zwei Nachteile hat die Digitalisierung m.E. auch:
      1) ich glaube, für Menschen wird es herausfordernder, Abläufe und Zusammenhänge zu „be-greifen“. In meiner kaufmännischen Lehre Anfang der 1980iger Jahre konnte ich noch alles gedanklich „er-fassen“ … z.B. mit Stift manuell Lagerbestände notieren, Vorgänge in Wiedervorlagemappe ihrer Wichtigkeit nach einsortieren oder Hauspostumschläge beschriften mit den Namen der „Schnittstellenfunktionen“…. heute versinkt alles in einem Moloch aus bits und bytes.

      2) Und schliesslich „The high risk of not finding information“… wurde bereits 2004 erkannt ==> https://www.kmworld.com/Articles/Editorial/Features/The-high-cost-of-not-finding-information-9534.aspx

  3. 26c0aeaafd7f863ac6f8c4db26f1a74d Andrea Schranck sagt:

    Hallo zusammen,
    bevor dieser schöne Dialog droht, in die Esoterik abzudriften möchte ich auch noch meinen Senf (ist der vegan?) dazu geben. Alles schön und richtig, was gesagt wurde – aber mal ehrlich: Wie lange schon ist es her, dass die Weltwirtschaft zum Wohle des Menschen agiert? Viele Menschen profitieren von einer florierenden Wirtschaftslage, keine Frage, aber vielen Menschen wird durch die Überproduktion der westlichen Welt in Zukunft der Hahn zugedreht werden – egal ob es um Wasser oder Öl, Billigfleisch aus Export, Holz, Müll oder Rohstoffe (die Liste ist endlos) geht.
    Jetzt zurück vom Globus in die heimelige Welt der Qualität – postuliere ich abermals die Abkehr von der Gewinnmaximierung hin zu einer Anhebung der Qualität bei verbesserter Effizienz und Kreislaufwirtschaft. Und zwar vorne im Prozess – Eingabe aus erneuerbaren Energien und wiederverwertbaren Verpackungen und Produkten- in der Mitte durch Auswahl von Produkten, die eine echte Nachhaltigkeit (damit meine ich den langfristigen Erhalt der Bewohnbarkeit dieses Planeten) einschließen – und schließlich am Ende des Weges beim Aufräumen und recyceln der Endprodukte nach ihrer Benutzung. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein SUV, der sich rein elektrisch durch die Städte schiebt, nicht einem zukunftsfähigen Produkt entspricht, sondern die Ausrede der Autoindustrie darstellt. Gleiches gilt für den übermäßigen Konsum von Mobilgeräten, die schon Kinder im Kindergartenalter zu kleinen Suchtkrüppeln macht.
    Mein sehr kurzes Fazit heißt: bessere Qualität (im Sinne von nachhaltig- ihr wisst schon), geringerer Konsum (weniger ist mehr) und sauber(ere) Prozesse, die unsere Ökosysteme nicht permanent überbelasten. Die globale Lösung ist dann eine Verteilungsfrage – damit auch alle Menschen Gelegenheit haben Mensch zu sein!

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Bin bei Ihnen, Frau Schrank.
      siehe dazu auch die Blogbeiträge
      Vergessen Sie’s – Ständiges Wachstum: https://blog.dgq.de/vergessen-sies-staendiges-wachstum/ und
      So siehts aus – …die moralische Dimension der Qualität
      https://blog.dgq.de/siehts-aus-die-fachliche-juristische-und-moralische-dimension-der-qualitaet/
      Qualitätswachstum als eine Alternative zum Mengenwachstum, das wäre doch einmal was.

      1. 4579928bb9763ad80e6d8debe1e9c7f6 Martina Unger sagt:

        Hiermit kommen wir der Sache vielleicht näher (Quelle Wikipedia): „Das Bruttonationalglück (BNG), englisch Gross National Happiness, ist der Versuch, den Lebensstandard in Bhutan in breit gestreuter, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen, einem ausschließlich durch Geldflüsse bestimmten Maß, einen ganzheitlicheren Bezugsrahmen gegenüberzustellen. Anders als vergleichbare Indikatoren, wie der Happy Planet Index oder der World Happiness Report, bezieht sich das Bruttonationalglück nur auf das südasiatische Königreich Bhutan.“

  4. d2dba085f5c44a2992e6946004b6f248 Hubert Vogl sagt:

    Hallo Frau Schrank Sie haben mit allem recht was Sie schreiben.

    Aber zumindest mein Wunsch, dass wir Menschen weniger Fleisch essen hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern mit nachgewiesenem Klima- und Umweltschutz, Verringerung von Hunger auf der gesamten Welt, Tierschutz und letztendlich auch die ebenfalls nachgewiesenen Vorteile für die eigene Gesundheit (natürlich reicht es nicht nur weniger Fleisch zu essen, dafür sollte man sich auch ausgewogen ernähren…). Und es wäre wirklich einfach: Wenn jeder bei sich anfangen würde und nur 1 bis 2 mal in der Woche auf tierische Produkte verzichten würde, wäre der Welt und der Menschheit schon sehr geholfen.
    Wie hat der scheidende Entwicklungsminister Gerd Müller gesagt: Hunger ist Mord, denn es wäre genug da für alle.

  5. 9f5e3414f43483545f096ba182af12d9 Bernhard Hohlwegler sagt:

    Hallo zusammen,

    meiner Meinung nach befinden wir uns in einer Zeit des Wandels bedingt durch das Ende der Konsumgesellschaft in der gewohnten Form. Veränderungen erzeugen bei vielen Mensch Angst, Einschränkung von Konsum erzeugt bei vielen eine Leere.
    Die Gründe dafür sind offenkundig. Einige Aspekte möchte ich hier nennen:

    • Begrenzte Ressourcen und der allgegenwärtige Klimawandel zeigen uns die Grenzen auf. Die industrielle Landwirtschaft, geprägt durch chemische Düngung und Schädlingsbekämpfung, erreicht Ihre Grenzen in Zeiten des Klimawandels.

    • Die Änderung der geopolitischen Lage erfordert ein Umdenken. Länder wie China, Russland z.B. entwickeln sich in eine bedenkliche autoritäre und unberechenbare Richtung, globale Supply Chains funktionieren nicht mehr wie gewohnt.

    • Skandale der letzten Jahre wie Diesel Gate, Skandale um Medikamente (siehe z.B. Diät- Pille Mediator in Frankreich), die Probleme in der Ernährungsindustrie und Landwirtschaft erschüttern das Vertrauen. Schlimm finde ich in diesem Zusammenhang mit welchen geschickten Mitteln (e.g. bezahlte wissenschaftliche Studien, Stimmungsmache in Medien) die Öffentlichkeit beeinflusst wird.

    Viele Unternehmen können und sollten in diesem Umfeld klar Position beziehen und sich fragen was sie für das Gemeinwohl leisten und wie sie in Zeiten des Wandels überleben. Das klare Bekenntnis zu Werten wie Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, Service und eine klare Darstellung wozu man als Unternehmen für die Allgemeinheit da ist, wird immer wichtiger (siehe dazu auch in ISO 9001 das Thema Umfeldanalyse). Das gibt darüber hinaus den Mitarbeitern Orientierung, Wertschätzung und Sinn. Ich beziehe mich hier E. Deming, der ja schon in den 50 iger Jahren in seiner Managementlehre diese Aspekte betont hat. Ein weiter so, auch wenn der Wunsch danach verständlich ist, wird und kann so nicht mehr funktionieren. Die Überzeugung, dass der Markt alles regelt erweist sich immer mehr als viel zu einfach gedacht.
    Die angesprochenen Veränderungen werden sicher nicht von heute auf morgen passieren. Doch ich bin mir sicher, dass vieles möglich ist. Auch wenn ich den Satz lange Jahre gehasst habe, möchte ich damit schließen: „Geht nicht gibt es nicht“, wir haben ja gar keine andere Wahl.

    1. 4579928bb9763ad80e6d8debe1e9c7f6 Martina Unger sagt:

      Da stimme ich Ihnen zu, Herr Hohwegler. Um auf das Eingangsthema „Digitalisierung“ zurückzukommen – die Frage die ich mir gerade stelle ist „inwieweit kann uns die Digitalisierung hier unterstützen?“ In allem liegt ja Fluch und Segen zugleich. Als Segen sehe ich z.B. die sehr schnelle globale Vernetzung …. somit erhalten Unternehmen viel schneller und umfassender Informationen darüber, wie sich ihr „Tun und Lassen“ auswirkt – auch auf Lebensbereiche, die vielleicht nicht direkt mit Ihren Märkten oder Kunden zu tun haben. Wichtig wäre nur eine „clevere“ Nutzung – also nicht nur das „sehen“ und analysieren, was man „sehen will“ – sondern eine ehrliche Bereitschaft dazu, auf die Konsequenzen des unternehmerischen Handelns zu schauen. Auch hier – der MENSCH muss eine Entscheidung treffen. DAS kann uns IT nicht abnehmen.

  6. 2a62782938b63e82a703c0fe2b44b72a Uwe-Klaus Jarosch sagt:

    Lieber Benedikt, sehr geehrter Herr Schranck
    Dass wir alle bei uns selbst beginnen sollen und müssen, um Einfluss im Sinne einer dauerhaft lebenswerten Arbeitswelt und nachhaltiger Ergebnisse unserer bezahlten Arbeit zu nehmen, unterschreibe ich gerne.
    Aus meiner Sicht ist der Einfluss aber relativ stark begrenzt. Diese Anstrengungen sind unabdingbar, aber nur soweit wirksam, wie uns als Einzelpersonen Einfluss zugesprochen wird und wir bereit sich, den notwendigen Preis in einer (noch?) anders ausgerichteten Welt zu zahlen.
    Es ist so, wie wenn NUR der Verbraucher für die Emissionen des Verkehrswesens verantwortlich gemacht wird, da er ja kleine (nicht angebotenene) Verkehrsmittel statt des bequemen SUV nutzen kann oder die lokalen Produkte kaufen kann, um die Emissionen der Fernlogistik zu mindern.

    Ich halte diesen Ansatz für unzureichend.
    Ich verstehe den Ansatz von Benedikt Sommerhoff auch als Aufforderung für ein anders geartetes Wirtschaftssystem.
    Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art. 14 Abs. 2 steht (als einem von ganz wenigen Staaten): „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“.
    Leider hat dieser Satz durchgängig gegenüber den Gesetzen der Marktwirtschaft zurückzustehen.
    Dass die führenden Wirtschaftswissenschaften (als Teil der Sozialwissenschaften) den Homo Oekonomikus predigen, Egoismen bevorzugen und für Wachstum um jeden Preis (Lebenserhaltung dieses relativ jungen Systems) alle anderen Interessen der Menschen zurückstellen, macht es schwer, mit dem menschenzentrierten Ansatz wirklich durchzudringen.
    Im Streitfall wird sich der Geschäftsführer für die Sparmaßnahme und nicht für die Verbesserung der Mitarbeitersituation entscheiden, wenn seine Aktionäre ihn andernfalls wegen Missachtung ihrer Eigentümerinteressen verklagen können.
    Ich empfehle die Bücher von Adam Tooze, einem amerikanischen Wirtschaftshistoriker, der dezidiert den Irrsinn eines rein marktorientierten Systems herausarbeitet und die – besonders in Krisenzeiten deutlichen – Nachteile des Systems benennt.
    Daher führt aus meiner Sicht kein Weg an einer grundlegenden Diskussion um die Zukunft unserer und der globalen Wirtschaftssysteme herum. Ob sich ein gemeinwohl-orientiertes System durchsetzen kann, wenn es für die Kapitaleigner vorrangig Nachteile bringt? Ob die Politik wieder das Primat des Handels über die Wirtschaft erlangen kann, obwohl sich immer wieder wesentliche „Volksvertreter“ weltweit als käuflich erweisen?

    Uwe Jarosch

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Danke, Uwe, für den Hinweis aufs Grundgesetz („Eigentum verpflichtet“). Ich farge mich schion lange, wie sich diese Verpflichtung in der Gesellschaft real auswirkt.

  7. eb53fccfde71dbbc1d08451345841b13 Roland Zips sagt:

    Hallo Zusammen,
    Einschränken bis aufs Minimum alleine wird nicht ausreichen, wenn wir andererseits wirtschaftlich ständig weiter „wachsen“ und die reine Anzahl von Menschen im In- und Ausland weiterhin anwächst. Das derzeitige Ziel „möglichst viele Menschen auf gerade noch akzeptablen Niveau“ scheint mir nicht unbedingt erstrebenswert. Wäre es nicht wünschenswert, dass jeder einzelne Mensch möglichst komfortabel leben kann, ohne dabei die Umwelt und die Mitmenschen über Gebühr zu strapazieren? Dazu hätte man das quantitative Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung einbremsen sollen, was jedoch seit 50 Jahren verschlafen wurde und aktuell immer noch nicht ausreichend thematisiert wird.
    Jetzt geht es los, sich gegenseitig vorzuschreiben, wie man noch leben darf. Super.
    Die jetzt wieder überbordenden Ideen bedeuten letztlich sozialistische Diktatur – und das hat bisher noch nirgends wirklich gut funktioniert.

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Die Alternative ist doch nun wirklich nicht Sozialismus oder gar eine sozialistische Diktatur, das ist doch in diesem Kontext ein Schreckgespenst. Aus meiner Sicht sollten wir einmal durchdenken, wie wir Mengenwachstum durch Qualitätswachstum ersetzen können. Wäre es möglich, auf diese Weise ökonomisch zu wachsen? Weniger aber besser produzieren? Und die Einsparungen für die Schadensreparatur, die meist auf die Gesellschaft umgelegt werden, stattdessen in Bereiche zu inbestieren, die heilen und nützen statt zu schädigen und zu schaden? Und somit dort neue Wachstumsbereiche zu erschließen?
      Die „unsichtbare Hand des Marktes“ hat „es“ auf jedenfall bisher nicht gerichtet, auf die können wir uns zum Überleben der menschheit wohöl nicht verlassen. Diese unsichtbare Hand verteil zu viele Ohrfeigen. Wie betitelte Sibylle Berg am 30.10. ihre Kolumne bei Spiegel online so trefflich: „Das sind nicht seine Auswüchse, das ist der Kapitalismus selbst“. Und nochmal, ich sehe Sozialismus dazu weder als legitime noch wirksame Alternative. Wir müssen uns aber auch eingestehen, was am bestehende System extrem dysfunktional und schädlich ist.

  8. 26c0aeaafd7f863ac6f8c4db26f1a74d Andrea Schranck sagt:

    Guten Morgen zusammen, schöner Dialog. Herr Vogl, danke nochmals für das Fleischthema – das wollte ich nicht abtun. Es ist meiner Meinung eine der wichtigsten Stellschrauben und eine sehr wirkungsvolle um dem Klimawandel auch global zu begegnen, da hier auch Futtermittelkreisläufe und Zerstörung klimarelevanten Wäldern mit anhängen. Entgegen der Meinung von Herrn Jarosch sehe ich aber sehr wohl , dass der Einzelne große Möglichkeiten hat einzugreifen. Das funktioniert aber leider nur, wenn auch eine persönliche Betroffenheit hergestellt wird – also z.B. Verteuerung, schlechte Verfügbarkeit oder schlechte Reputation der Waren. Es ist eine kniffelige Situation im Moment, denn wir dürfen die Geringverdiener nicht abhängen, sondern müssen Wege zur Umverteilung finden. Unsere Kinder haben uns vorgemacht wie es geht – sie gehen auf die Straßen und werden laut, weil sie betroffen sind. Unterstützen wir sie mit unserer Arbeit! Hier sehe ich als Schlüssel die Elektrifizierung unserer Energie mit echtem Grünstrom – für die Industrie, die Mobilität und die Wärmeversorgung und da hilft dann tatsächlich auch KI bei der Verteilung und Erhaltung der Stromnetzte. Für uns Quali-Leute wäre gut, für die kommende Zeit einen vergleichbaren Standard zur Bewertung der Energieströme und der CO2 Menge zu bekommen. Damit lassen sich neue Szenarien besser bewerten und auch für die Aktionäre in Wert setzen. Es erschließt sich mir nicht, warum die notwendige und teure Umstellung nur von den Verbrauchern gezahlt werden soll und nicht auch von den Anteilseignern.

    1. 12fad89dbfa0bd7577219e8081bbd19e Benedikt Sommerhoff sagt:

      Beim Einfluss Einzelner sehe ich die größten Effekte, wenn Einzelne handeln, die an möglichst großen Hebeln sitzen. Ich fürchte, dass positive Änderungen des Konsumverhaltens Einzelner durch viele andere negativ kompensiert wird. Nichts desto trotzt entbindet das Konsumenten nicht davon, verantwortungsbewusst zu konsumieren.
      Größere Hebel für Veränderungen haben prinzipiell Entscheider in Politik und Unternehmen. Auch bestimmte Professionen haben überproportional große Einflussmöglichkeiten. Einkäufer:innen, Entwickler:innen, Produkt- und Projektmanager:innen. Und durchaus auch Qualitätsmanager:innen. Sie müssen dafür aber informiert und bereit sein, auch in kontroverse Diskussionen zu gehen und im Gegenwind standzuhalten. Zunehmend gibt es „unternehmenstaugliche“ Argumente für nachhaltiges Wirtschaften. Das zeigen zunehmend auch Investoren, die man bisher ja zurecht nicht auf Spitzenplätzen bei Menschen- und Planetenfreunlichkeit sah. Sie setzen die Unternehmen zunehmend unter Druck, nachhaltig zu handeln. Weil sonst Geschäftsmodelle versagen und Unternehmen Erträge und Wert verlieren. Mir ist reletiv egal, ob sie das aus Verantwortung für die Menschheit oder aus anhaltender Gier machen. Die Auswirkungen sind wünschenswert.

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