Qualität in Projekten: Verständnis für Qualitätsarbeit8 | 07 | 15

Projekt- und Qualitätsmanagement haben nicht selten Verständigungsschwierigkeiten. Aus diesem Grund hat die DGQ zusammen mit der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) einen Fachkreis gegründet. Er trägt den Titel „Qualität und Projekte“ und hat das Ziel, das Zusammenspiel beider Disziplinen zu verbessern. Im ersten Schritt haben die Mitglieder konkrete Beispiele für typische Missverständnisse gesammelt. Letzte Woche ging es um das Thema Terminverfolgung und Montagequalität. Heute steht das Verständnis für Qualitätsarbeit im Fokus.

Verständnis für Qualitätsarbeit

Der Qualitätsmanager ist im Projekt nicht für die Qualität verantwortlich, obwohl er zum Teil dafür verantwortlich gemacht wird (z. B. Bonus abhängig von erreichtem ppm Level).

Lösungsansatz

Der Qualitätsmanager muss vollberechtigtes Mitglied des Projektteams sein und sollte motivierend arbeiten. Er berichtet unabhängig in einer zweiten Linie und hat die Möglichkeit zur Eskalation ins Management. Damit muss und kann er Verantwortung für die Zielerreichung eines Projektes übernehmen.

Qualitätssicherung besteht aus drei Teilen:

  1. Festlegung der Qualitätsziele durch das Management Folgende Konflikte müssen geklärt werden:
    • Time to Market ↔ Zeit für Reviews und Erprobung
    • Qualität der Komponenten ↔ BOM (Materialkosten) niedrig
    • Beachten der Kundenprozesse ↔ interne Abläufe
    • Entwicklungskosten ↔ Ressourceneinsatz
    • Sehr innovativ ↔ Wiederverwendung

 Hinweis

Allgemeine Qualitäts- und Projektziele müssen im Projekt herunter gebrochen und genauer und messbar spezifiziert werden. Weitere Ziele von Stakeholdern (z.B. Auftraggeber) müssen dabei ebenso berücksichtigt werden.

  1. Qualitätsplanung
    Es sind Maßnahmen und Messgrößen zur Kontrolle nötig, um Qualitätsziele zu erreichen. Den Qualitätsplan sollten der Projekt- und der Qualitätsmanager gemeinsam verantworten. Sie sollten sich der Hilfe der Fachdisziplinen bedienen, um den Qualitätsplan zu erstellen. Es muss gut darauf geachtet werden, dass der Plan geeignet ist, die vorgegebenen Ziele mit den verfügbaren Ressourcen und in der verfügbaren Zeit zu erreichen. Falls nicht, sollte eine Diskussion über die Maßnahmen und die zeitliche Planung gestartet werden, bis sich Projekt- und Qualitätsmanager einig sind – oder bis Ziele, Ressourcen und Zeitrahmen aneinander angepasst sind.

Hinweis

Der initiale Qualitätsplan sollte durch das zentrale Qualitäts- und Projektmanagement geprüft werden, um Konflikte zwischen den definierten Unternehmenszielen und den im Projekt definierten von vornherein zu identifizieren und aufzulösen. Im Qualitätsplan sollte die Abwicklungsgüte Bestandteil sein.

  1. Qualitätskontrolle
    Projekt- und Qualitätsmanager sollten gemeinsam überwachen, ob die Maßnahmen aus dem Qualitäts-Plan in der gewünschten Qualität durchgeführt wurden. Zudem sollten sie anhand der Messgrößen gemeinsam festlegen, ob die vorgegebenen Zielgrößen erreicht wurden. Bei festgestellten Abweichungen müssten PM und QM gemeinsam gegensteuern oder in Punkt 2 wieder einsteigen. Oft ist es eher ein Gegeneinander, weil die Zielgrößen nicht als gemeinsames Ziel verstanden werden. Vor allem gegen Projektende besteht der Druck, die Ressourcen wieder freizugeben und die Budgets zu schließen.

Hinweis

Es sollte eine projektexterne Kontrolle (z.B. zu regelmäßigen Terminen, zu Meilensteinen, Quality Gates, Stichproben) erfolgen. Audits können als Werkzeug genutzt werden.

Über den Autor:

Thomas Dörr ist Sprecher des gemeinsamen Fachkreises „Qualität und Projekte“ der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ) und der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM); bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH ist er sowohl in Projekten als auch im Qualitäts- und Prozessmanagement tätig.

fk-qp@gpm-ipma.de

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