Normungsaktivitäten der DGQ zu Pflege und Gesundheit, Teil I14 | 06 | 22

Krankheit und Pflegebedarf – hier liegen zwei neue Schwerpunkte in der Normungsarbeit der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ). Damit folgt sie einer integrierten Sicht der Qualität, die nicht nur nach Systemen und Prozessen, sondern auch nach den Anforderungen von Kundinnen und Kunden fragt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Diese Perspektive bringt sie in mehrere nationale und internationale Normungsgremien ein.

In einer neuen Artikel-Serie stellen wir das Engagement des DGQ Fachbereichs Pflege in der Normung vor. Der erste Teil beschreibt die entsprechenden Aktivitäten in einem neuen Ausschuss des Deutschen Instituts für Normung (DIN).

Die Rolle der DGQ

Für das QM im Gesundheitswesen existiert eine europäische Norm, die auf der ISO 9001 beruht und diese ergänzt. Sie trägt in Deutschland die Bezeichnung DIN EN 15224. Nach dieser Norm muss zum Beispiel im Falle der Entlassung von Patientinnen und Patienten aus dem Krankenhaus eine Risikoeinschätzung vorgenommen werden (TÜV Süd, 2022): Welche gesundheitlichen Gefahren ergeben sich, welche Empfehlungen gibt es an die übernehmende Einrichtung oder an die Angehörigen – und einiges mehr.

Wendet man diese Norm auf den Pflegebereich an, dann gibt es mit dem „Expertenstandard Entlassungsmanagement“ sozusagen das Handbuch für den Fall der Überleitung von Menschen aus der Klinik. Dieser Fachstandard wird vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) erarbeitet und ist verbindlich für die pflegerische Versorgung in Deutschland. Kliniken können den Standard nutzen, womit sie zur Eindämmung pflegerischer Risiken im Versorgungsprozess beitragen und gleichzeitig die Forderungen der Norm im Pflegebereich erfüllen. Die DGQ bringt an dieser Schnittstelle die entsprechende Expertise zwischen Norm und Standard ein.

Regeln für die Praxis

Es geht bei Normen im Gesundheitsbereich um ganz praktische Dinge. International abgestimmt werden zum Beispiel die Prozesse bei der Händehygiene in Gesundheitseinrichtungen. Sie haben in diesen Zeiten der Pandemie tatsächlich weltweit das Behandlungsgeschehen in Kliniken verändert. Grundlage sind Studien, deren Ergebnisse zu einem spezifischen Verhalten anregen. Damit kann das Übertragungs-Risiko von Erkrankungen durch Händekontakt nachweislich verringert werden.

Diese beiden Exkurse zum pflegerischen Entlassungsmanagement und in die Hygiene sind Beispiele dafür, was der Normenausschuss NA 053-02-05 AA „Management von Gesundheitsorganisationen“ des DIN bearbeitet, in dem sich die DGQ engagiert. Hier wird Normung betrieben, um unter anderem die Pflegepraxis zu unterstützen. Sie ist quasi das Vehikel, um theoretische Annahmen und wissenschaftliche Ergebnisse in die Praxis zu bringen und gleichzeitig die Perspektive der Patientinnen und Patienten zu berücksichtigen. Auf diese Weise kommt die DGQ auch dem satzungsgemäßen Anspruch nach, neue Verfahren und Erkenntnisse zu verbreiten.

Megatrend Gesundheit

Der deutsche Gesundheitsmarkt befindet sich seit langem im Aufwind und wird diesen Trend nach Einschätzung vieler namhafter Experten und Institutionen, unter anderem des Zukunftsinstituts (Zukunftsinstitut, 2022), fortsetzen. Dazu trägt nicht nur der Wohlstand bei, sondern auch eine alternde Gesellschaft und ein ansteigendes Bildungsniveau. Das sind Voraussetzungen, die zu mehr Bedarfen, aber auch zu höheren Ansprüchen an die Qualität der Leistungen führen. Die DGQ sieht in den wachsenden Bedarfen und den steigenden Anforderungen an leistungsfähige Gesundheitsdienste eine Chance, die integrierte Perspektive der Qualität in den Fokus von Normungsarbeit in diesem Segment einzubringen.

Fazit

Das QM im Gesundheitswesen steht für einen Wachstumsmarkt und einen Megatrend. Als unabhängiger und neutraler Player kann die DGQ in dem Feld ihre fachliche Expertise auf mehreren Ebenen in Normungsaktivitäten einbringen. Gleichzeitig dient das Engagement der Vernetzung des neuen DGQ Fachbereiches Pflege in nationalen und internationalen Gremien auf Basis originärer DGQ-Themen.

Über den Autor:

Holger Dudel ist Fachreferent Pflege der DGQ. Er ist gelernter Krankenpfleger und studierter Pflegepädagoge und Pflegewissenschaftler. Er hat zuvor Leitungsfunktionen bei privaten, kommunalen und freigemeinnützigen Trägern der Langzeitpflege auf Bundesebene innegehabt. Qualität im Sozialwesen bedeutet für ihn, dass neben objektiver Evidenz auch das „Subjektive“, Haltung und Beziehung ihren Platz haben.

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