Interview mit Susanne Petersen „Voll von der Rolle?“ und Susanne Völker „Lachen ist die beste Medizin“31 | 03 | 22

Zwei Perspektiven, ein Fokus – Susanne Petersen und Susanne Völker haben jeweils ein Impulspapier verfasst, dass den Menschen in den Mittepunkt rückt. Vielleicht, sollte man besser sagen „ver-rückt“, denn weder die Frage des Humors noch das Konzept der selbst- und fremdzugeschriebenen Rolle werden durch Normen geregelt. Dennoch oder gerade deswegen eröffnen sie Bewältigungs- beziehungsweise Gestaltungsmöglichkeiten in zunehmend anspruchsvollen Zeiten.

Frau Völker, in Ihrem Impulspapier mit dem Titel „Lachen ist die beste Medizin“ plädieren Sie für einen humorvollen Umgang mit der Lage. Ukrainekrieg, Corona-Pandemie, Klimawandel – bleibt da nicht eher das Lachen im Halse stecken?

Frau Völker: Was halten Sie hiervon: Wie ist die Stimmung in der DDR? Sie hält sich in Grenzen!

Wir sind Menschen und haben Emotionen, an denen die großen Probleme der Zeit nicht spurlos vorüber gehen. Aber, wenn nicht jetzt, wann dann? Lachen wirkt in als schwierig erlebten Situationen als Medizin am besten. Am „besten“ meint, dass das Lachen dann sein volles Potenzial entfaltet: es sorgt für einen Moment für mehr Leichtigkeit, lässt uns Abstand nehmen und einmal gut durchatmen. Zusammen zu lachen erzeugt einen noch besseren Effekt: wir erleben, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Also – raus aus dem Hals mit dem Lachen!

Und wer Humor zeigt, geht zugleich auch gut mit sich selber um?

Frau Völker: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das ist in vielen Situationen ein guter Umgang mit sich selbst und eröffnet neue Perspektiven. In meinem Impulspapier gebe ich viele praktische Tipps für einen freundlichen Umgang mit sich selbst.

Frau Petersen, Ihr Impulspapier heißt „Voll von der Rolle?“ und beschreibt auch eher ein Phänomen, das sich dem informellen Bereich einer Organisation zuordnen lässt. Was bedeutet für Sie „Rolle“ und was heißt es „von der Rolle zu sein“?

Frau Petersen: „Rolle“ ist für mich kein neues Layout für eine Aufgaben- und Funktionsbeschreibung. Als „soziale Rolle“ ist sie ein Denkmodell, das es ermöglicht, die Dynamik zwischen Menschen in der Zusammenarbeit zu reflektieren.

Nach meiner Erfahrung wird in Managementsystemen – und besonders im Qualitätsmanagement – diese Zusammenarbeit selten als reibungslos erlebt. Gerade zwischen fachlichen Unterstützern in Stabsposition und den Führungskräften in der Linie „knirscht“ es häufiger. Auch interne Auditoren sind mit ihrer Rolle nicht immer glücklich.

„Voll von der Rolle“ könnte die Auswirkung sein und ist aus meiner Sicht ein wenig erstrebenswerter Zustand, der besser verhindert werden sollte.

Frau Petersen, welche Gestaltungsmöglichkeiten bietet Ihr Rollenkonzept, wenn es dafür keine verbindliche Bedienungsanleitung gibt?

Frau Petersen: Zunächst: Die Theorie hinter dem Rollenkonzept stammt nicht von mir, die habe ich mir in der Soziologie ausgeliehen.

Vor dem Hintergrund typischer Praxisprobleme in Managementsystemen habe ich daraus eine „Selbst-Coaching-Landkarte“ entwickelt. Sie zeigt den interessierten Reisenden (hoffentlich auch ohne Bedienungsanleitung) mögliches Verbesserungspotential auf und gibt Hinweise auf Ansatzpunkte, die dann individuell aufgegriffen werden können.

„Achtsamkeit“ und „Resilienz“ sind häufig genannte Begriffe, wenn es darum geht, wie Menschen mit Jobverdichtung, Volatilität oder steigender Komplexität umgehen können. Leisten auch „Rolle“ oder „Humor“ hier einen Beitrag?

Völker: Humor haben bedeutet, Grenzen und unser Nichtperfektsein zu akzeptieren. Mit Humor kann man es schaffen, sich selber entweder nicht mehr so wichtig zu nehmen – oder sich selber so wichtig zu nehmen, dass man sich gut um sich kümmert. Humor rüttelt also vieles auf ein menschliches Maß.

Petersen: Reibungen und Konflikt sind in der Regel nicht angenehm und verbrauchen unnötig Zeit und Energie. Mit den konkreten Coachingfragen bietet sich den Lesenden die Möglichkeit, sich über die Erwartungen an die eigene Rolle beispielsweise im QM Klarheit zu verschaffen. Dies lässt sich durch Fragen erreichen, beispielsweise „Was will ich?“ oder „Was will ich nicht?“. Damit gelingt es, ein Stückchen Selbstbewusstsein, Sicherheit und Entspannung in die Zusammenarbeit zu bringen.

Welche „Rolle“ spielt der Mensch in Ihrem Qualitätsverständnis?

Petersen: Er oder sie spielt eine absolut entscheidende Rolle. Zum einen bei der Definition von „Qualität“, zum anderen bei ihrer Verwirklichung. Gerade Letzteres ist nur möglich, weil Menschen in der Lage sind, all die unterschiedlichen dokumentierten Leitplanken mit der Realität in Einklang zu bringen und ganz nebenbei noch mit Situationen umzugehen, für die es keine Navigationshilfen gibt.

Völker: Die größte! Qualität wird von Menschen gemacht – wer soll’s denn sonst machen?

Frau Völker und Frau Petersen, vielen Dank für diese interessanten Einblicke jenseits der Norm. Eine Frage zum Abschluss: Was können Sie beide voneinander lernen? Oder anders: Wie kann Humor bei der Rollenklärung behilflich sein und inwiefern trägt eine Rollenklärung dazu bei, Humor zu entwickeln?

Völker: Jede:r entwickelt die eigene Rolle weiter, gerade Mitarbeiter:innen im QM sammeln viele neue Erfahrungen und Kompetenzen. Fast zwangsläufig kommt man dabei an dem Punkt, die eigene Rolle kritisch zu betrachten und sich von ihr zu distanzieren. In diesem Moment ist Humor sehr hilfreich, denn er sorgt für genügend Abstand, um die eigene Rolle neu zu definieren und den fremden Auftrag und die eigene Mission freundlich zu balancieren.

Petersen: Humor ist aus meiner Sicht generell eine wunderbare Zutat, Zusammenarbeit zu ermöglichen und zu entspannen. Ich selbst nutze bei der Rollenklärung gerne überspitzte Bilder, Cartoons oder Metaphern, die beim Gegenüber ein Schmunzeln auslösen.

 

Susanne Völker
Die Sprechwissenschaftlerin Susanne Völker berät ihre Kunden zu den Themen Kommunikation, Organisation und Zusammenarbeit. Mit diesen Themen ist sie branchenübergreifend tätig und gibt ihre Erfahrungen in Lehraufträgen weiter. Neben dem Singen ist Lachen ihr Lebenselixier. In ihren Seminaren sensibilisiert sie die Teilnehmer:innen für die Kraft ihrer Haltung, Sprache und Stimme. Seit 1999 ist sie für die DGQ als Autorin und Trainerin für sozial-kommunikative Themen in verschiedenen Lehrgangsblöcken tätig und gibt didaktische Impulse.

Susanne Petersen
Susanne Petersen (Dipl-Ing. Technischer Umweltschutz) ist Buchautorin [Petersen 2016]; Dozentin/Speakerin, Podcasterin (Mehr „Ach so!“ als ISO – Selbstbewusste Managementsysteme); selbstständige Change-/Organisationsberaterin und Business-Coach; seit über 24 Jahre begleitet sie Unternehmen und Einzelpersonen im Bereich Managementsysteme. Neben der wirksamen Etablierung der fachlichen Ziele als Managementsystem in der Organisation liegt ihr Schwerpunkt beim „Faktor Mensch“ und seiner zeitgemäßen Führung und Zusammenarbeit.

 


Drei DGQ-Impulspapiere zum Thema Fokus Mensch:

1. Qualität ist von und für Menschen. Wir müssen uns refokussieren – auf uns Menschen.
2. Lachen ist die beste Medizin – Über einen freundlichen Umgang mit sich selbst
3. Voll „von der Rolle“?

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