Das QM und die Wirtschaftlichkeit2 | 04 | 25
„Quality is free“ war 1979 der Titel des vielbeachteten Buchs von Philip Bayard Crosby. Darin zeigt er, dass die Kosten, die durch mangelnde Qualität entstehen, die Investitionen für Qualitätsverbesserung weit übertreffen. Insofern seien Investitionen in Qualitätsverbesserungen (quality improvements) keine Zusatzkosten. Investitionen sollen sich verzinsen, einen Mittelrückfluss, „Return on Invest (ROI)“, generieren“. Der „Return on Quality Improvement“ entsteht durch Einsparungen von „Non-conformity-costs“ einerseits, durch höhere Marktanteile, die Durchsetzung höherer Preise, Cross- und Upselling -Effekte andererseits.
Unterschiedliche Arten von Qualitätskosten
Ein Teil der Qualitätskosten sind Markteintrittskosten. Dazu zählen die Kosten für eine QM-Zertifizierung, wenn das Fehlen einer solchen dazu führt, dass das Unternehmen mit wichtigen Kundengruppen oder Kunden keine Geschäfte machen kann. Diese Kosten stellen einen immateriellen Investitionsaufwand dar. Ähnlich geartet sind „Konformitätskosten“, Kosten, die entstehen, um die gesetzlichen und vertraglichen Anforderungen zu erfüllen. Diese Kosten können minimiert werden, indem das Unternehmen die Anforderungen nicht übererfüllt und zu ihrer Erfüllung die kostengünstigste Lösung wählt.
Und dann gibt es die Kosten, die durch Investitionen in Qualitätsverbesserungen entstehen.
Den Grenznutzen bestimmen
Das Unternehmen ist natürlich bestrebt, Investitionen in Qualität zu tätigen, die positive Effekte für Erträge oder Kosten haben. Diese Investitionen haben oft einen Grenznutzten. Eine steigende qualitative Attraktivität des Produktes begründet steigende Verkaufspreise bis zu einem Punkt, an dem die Kaufbereitschaft einbricht. Und je niedriger die Fehlerrate in der Produktion oder Dienstleistungserbringung ist, desto größer und teurer werden zumeist die Aufwände für weitere Absenkungen. Es gilt also, sowohl das Optimum von Qualitätsniveau und Verkaufspreis als auch das von Qualitätssicherungsaufwand und Fehlerschlupf zu finden, um Qualitätskosten und -nutzen zu optimieren. Bei hoher Fehlerrate und dementsprechend niedrigem Qualitätsniveau erzielen oft relativ einfache präventive Maßnahmen große Effekte. Bei bereits sehr hohem Reifegrad und dementsprechend niedrigen Fehlerraten sind erforderliche präventive Maßnahmen vergleichsweise teuer und es kann wesentlich kostengünstiger sein, gemachte Fehler abzufangen als ihr Auftreten zu verhindern.
Investieren in die beste Qualitätswirkung…
Qualitätsmanagement muss effektiv und soll dabei effizient sein. Die wirksame und dabei kosten- sowie aufwandsoptimierte Erreichung von Qualitätszielen muss handlungsleitend sein. Darauf wenig oder gar nicht einzahlende Pflichten auch erfüllen zu müssen, ist kein Ziel, sondern gegen diese Pflichten dabei nicht zu verstoßen eine Rahmenbedingung des Handelns.
… und Investitionen in wirkungsarme Pflichtaufgaben minimieren
Das Qualitätsmanagement muss nachweislich gesetzliche, vertragliche und normative Anforderungen erfüllen. Unter den sehr individuellen Rahmenbedingungen eines Unternehmens können dazu auch solche gehören, deren Wirkung auf das Qualitätsergebnis sehr gering ist. Dann gilt es, diese Pflichten mit minimalem Aufwand und geringstmöglichen Kosten formal zu erfüllen.
Ein Beispiel: Viele Unternehmen investieren erhebliche Aufwände in die interne und externe Auditierung. Rechtfertigen die dort identifizierten und dann wirklich realisierten Verbesserungspotenziale den dafür betriebenen Aufwand? Falls nicht, kann das Unternehmen oft den Aufwand deutlich reduzieren und bei gewollter Aufrechterhaltung der Zertifizierung schlanke Konformitätsaudits durchführen. Um Verbesserungspotenziale zu identifizieren, gibt es effektivere und effizientere Methoden.
Qualitätskosten unternehmensweit erheben und stimmig zuordnen
Qualitätskosten sind nicht die Kosten der Qualitätsabteilung. Überall im Unternehmen erfolgen Investitionen in Qualität und in allen Bereichen entstehen vermeidbare Kosten durch Nichtqualität. Die für Markteilnahme und Markterfolg notwendigen Qualitätsausgaben, der Return on Quality Improvement und auch die Non-Conformity-Costs sollen im ganzen Unternehmen erfasst werden. Nur der ganzheitliche Blick ermöglicht gewollte Qualitäts- und Kosten-Effekte zu erzielen und ungewollte zu minimieren. Für eine stimmige Qualitätskostenanalyse braucht es Kompetenz in QM und in Betriebswirtschaft. Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmager tun gut daran, gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Rechnungswesen und Controlling eine stimmige Rechnung aufzustellen.
Meine DGQ-Blogserie 2025 „Das QM und die …“
Das Qualitätsmanagement betritt viele unterschiedliche Felder, behandelt viele verschiede Themen und benötigt Wissen aus vielen Gebieten. In meiner DGQ-Blogserie „Das QM und die …“ sinniere ich über zwölf Begriffe und ihre Bedeutung für das QM und im QM. Dabei möchte ich immer auch auf die Bedeutung für Praxis und Umsetzung im Unternehmen eingehen. Eines ist klar, die wenigen Zeilen eines Blogs können interessante Impulse setzen, doch die Themen nie umfassend behandeln. Deshalb werden wir vertiefende Ausarbeitungen in DGQ Impulspapieren, den DGQ Mitgliederwebinaren der Reihe „Chili-con-Q“ und QZ Artikeln publizieren.
Über den Autor: Benedikt Sommerhoff
