Qualitätssicherer – ein Berufsbild im Wandel27 | 10 | 16

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Qualitätssicherung ist mehr denn je als eigenständiger Bereich zu betrachten, der auf dem gleichen Bedeutungslevel wie Qualitätsmanagement steht. Interdisziplinäres Know-how und Soft-Skills werden im Aufgabengebiet immer wichtiger. Welche Fähigkeiten und Kenntnisse Qualitätssicherer in Zukunft brauchen, zeigt die aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Konzept & Markt, durchgeführt im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ).gra_dgq_infografik-_blogbeitrag-2_final_web_271016

Flexibel und interdisziplinär

Qualitätssichernde Tätigkeiten erfolgen laut Studie zu 65 Prozent primär in der Fertigung. Deswegen sind fundierte Fachkenntnisse, ein guter technischer Hintergrund sowie der Blick für das technische Detail wichtige Kernkompetenzen in der Qualitätssicherung. Als Prozessversteher und -optimierer brauchen Qualitätsfachleute darüber hinaus zunehmend übergreifende analytische und konzeptionelle Fähigkeiten und ein gutes Maß an Durchsetzungsvermögen. Das ist insbesondere wichtig, da Qualitätssicherer in Unternehmen heute bereits zu 35 Prozent übergreifend eingesetzt werden. Auch decken die einzelnen Aufgabenbereiche ein sehr breites Spektrum ab, wodurch Stelleninhaber gefragt sind, die professionell und flexibel im Bereich agieren. Dies wird besonders deutlich, wenn es darum geht, ein Verständnis für betriebsübergreifende Abläufe zu entwickeln, um auf die Besonderheiten von Schnittstellenbereichen eingehen zu können, oder bei der Beteiligung an Audits: Fast alle Befragten (89 Prozent) sind sowohl als Lead-Auditor als auch als Auditor tätig. Im digitalen Zeitalter verfügt der erfolgreiche Qualitätssicherer zudem über Erfahrung im Umgang mit innovativen Methoden und Anwendungen mit einer praxis- und branchenorientierten Ausrichtung.

Soft-Skills und Persönlichkeit

Neben umfassendem Fachwissen, spielen auch Soft-Skills und persönliche Eigenschaften eine zentrale Rolle für den Erfolg in der Qualitätssicherung. Die Studienergebnisse zeigen, dass Kommunikationsfähigkeiten im Umgang mit Kunden (67 Prozent) und Mitarbeitern (79 Prozent) sich zu bedeutenden Erfolgsfaktoren in der Qualitätssicherung entwickeln. Schließlich nimmt die Zusammenarbeit mit internen und externen Schnittstellen aus dem Einkauf, Vertrieb und der Produktion zu. Die Befragten geben an, dass „für ein angenehmes soziales Klima sorgen“ (46 Prozent) und „Konflikte erkennen und lösen“ (45 Prozent) neben „überzeugend argumentieren“ (45 Prozent) und „zielgruppenorientiert kommunizieren“ (39 Prozent) die wichtigsten interaktiven Fähigkeiten und Soft-Skills in der Qualitätssicherung sind. Der Austausch in übergreifenden, meist internationalen Teams, der laut Studie zu 40 Prozent stattfindet, erfordert interkulturelles Fingerspitzengefühl sowie vertiefte Fremdsprachenkenntnisse (vor allem Englisch), um offen und gekonnt im Team und mit internationalen Verhandlungspartnern zu kommunizieren. In Anbetracht der zunehmenden Komplexität im Qualitätswesen sind gewisse persönliche Eigenschaften besonders wichtig geworden. In der Studie werden hier allen voran Belastbarkeit und Selbstsicherheit (63 Prozent) sowie gewissenhaftes und genaues Arbeiten (65 Prozent) genannt. Aufgeschlossen und offen für Neues sein sowie gerne auf andere zugehen folgt laut Studienteilnehmern mit 49 Prozent. Die Ergebnisse zeigen: Der „introvertierte Techniker“ wird die Aufgaben im Qualitätswesen nicht bewältigen können. Ein breites Spektrum an Persönlichkeitsbildung und Soft-Skills bestimmt den kompetenten Qualitätssicherer von morgen.

Weiterbildung Plus

Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, sind nicht mehr alleine das Fachwissen und die „harte Hand“ probate Mittel in der Qualitätssicherung. Qualitätssicherer sind zukünftig Fachexperten, Manager und Coaches zugleich. Projekte müssen professionell gehandhabt und Schnittstellen sowie Teams sicher zusammengehalten und geführt werden. Stelleninhaber empfinden laut Studie ihren Vorbereitungsgrad für diese Aufgaben aktuell als unzureichend. Hier ist ein hohes Potenzial für Weiterbildungsangebote erkennbar, die über die standardisierte Basisausbildung hinaus auf die aktuellen Berufsanforderungen praxisorientiert eingehen.

Als Produktmanager in der Personenzertifizierung sind mir daher zwei Dinge besonders wichtig:

  1. Weiterbildungsangebote müssen ein breites Spektrum an Soft-Skills in eine zeitgemäße Vermittlung von Fachthemen und -kompetenzen integrieren, um den betrieblichen Kontext nah an der Realität abzubilden.
  2. Lehrgangsreihen, die diese Entwicklungen aufgreifen und Soft-Skills sowie interdisziplinäres Know-how als Trainingseinheiten anbieten, müssen dies entsprechend in den Zertifikatstiteln und in den Anforderungen an den Erwerb solcher Zertifikate widerspiegeln.

Insbesondere beim Thema „Zertifikatstitel“ haben wir den Dialog gesucht und viele Personen, die maßgeblich in der Qualitätssicherung aktiv sind, nach ihrer Meinung gefragt. Aus den vielen anregenden Vorschlägen haben wir uns letztlich für diese drei deutschen Titel entschieden: „DGQ-Fachkraft Qualitätsprüfung“, „DGQ-Spezialist Qualitätssicherung“ und „DGQ-Manager Qualitätssicherung“. Mit der Weiterentwicklung unserer QS-Lehrgangsreihe und der Einführung neuer Zertifikatstiel hoffen wir den aktuellen Marktanforderungen gerecht zu werden und entsprechend die Kompetenzen der Teilnehmer abzubilden.

Was meinen Sie dazu? Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen und Anmerkungen.

Weitere Informationen zum Trainingsprogramm erhalten Sie online, telefonisch unter 069-95424-333 oder per E-Mail an weiterbildung@dgq.de.

 

 

Über den Autor: Dieter Schier

Dr. Dieter Schier ist Teamleiter des Produktmanagements der DGQ-Personenzertifizierungsstelle. Seit 2013 betreut er Zertifizierungen zu verschiedenen Themen wie Qualitätssicherung und Fertigungsmesstechnik von der Neuentwicklung bis zur Aktualisierung und Pflege. Eins seiner Ziele ist, einen hohen Kundennutzen der DGQ-Zertifikate zu generieren. Hierzu nutzt er u.a. Informationen aus der Praxis von Kunden, Zielgruppen und Fachexperten sowie Erfahrungen als Physiker aus seiner früheren Tätigkeit in der Industrie in der produktionsnahen Produktentwicklung und in der Messtechnik.