Stakeholdermanagement: Die nachhaltige Chance in der Liste der interessierten Parteien9 | 01 | 24

Stakeholdermanagement

Eine Liste der interessierten Parteien und deren Anforderungen für die eigene Organisation aufzusetzen, ist eine Maßgabe aus der Normenreihe DIN EN ISO 9001, 14001 und 50001 sowie auch der DIN EN ISO 26001 – „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“. Haben Sie für Ihre Organisation das entsprechende Dokument erstellt, weil die Norm es fordert und der Auditor einmal im Jahr danach fragt? Oder sind Sie ernsthaft an den Bedürfnissen Ihrer Anspruchsgruppen interessiert?

Das volle Potenzial der interessierten Parteien oder Anspruchsgruppen haben die meisten Organisationen noch nicht erfasst. Sie notieren – im Alleingang – ihre wichtigsten Lieferanten und Kunden sowie deren Anforderungen und erwähnen vielleicht noch die Interessen der Eigentümer und Finanzgeber und ihrer Mitarbeitenden. Wieviel Dialog hat stattgefunden, bevor Sie Ihre Matrix ausgefüllt haben?

Das Potenzial des Dialogs

In der ISO 26001 – „Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung“ – spielt der Dialog eine zentrale Rolle. Wenn Organisationen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, erkennen sie die die Bedeutung des Dialogs, der Zusammenarbeit und des Engagements mit verschiedenen Anspruchsgruppen. Nur gemeinsam können die Potenziale in den Unternehmen gehoben werden, um positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt zu erzielen.

Warum wird auf diesen Punkt in den meisten Organisationen so wenig Wert gelegt?

  • „Wir machen doch unsere jährlichen Kunden- und Lieferantengespräche und auch die Mitarbeitergespräche führen wir regelmäßig durch.“
  • „Das dauert viel zu lange und bringt doch nichts.“
  • „Ich weiß doch, was die Bedürfnisse meiner interessierten Parteien sind und schreibe das eben schnell runter.“
  • „Wenn jede:r etwas anderes einbringt, brauchen wir ja noch länger für Entscheidungen“
  • „Das können sich nur große Unternehmen leisten.“

Haben Sie schon einmal – vielleicht sogar im Unternehmenskontext – die Kraft des echten Zuhörens in einer Gruppe erlebt, die das gleiche Ziel hat? Circle Facilitation ist eine Methode, die Raum gibt für viele Perspektiven, für offene und ganzheitliche Kommunikation. Wenn sich Menschen auf Augenhöhe und mit Wohlwollen begegnen, wenn jeder seine Perspektive neben die der anderen stellen darf, ohne dass es ein Richtig oder Falsch gibt, wenn Meinungen integriert werden, wenn jede Stimme gehört wird, dann kann in einer Atmosphäre des Vertrauens etwas ganz Neues entstehen.

Circle Facilitation basiert auf einer der ältesten Kommunikationsmethoden der Menschheit: Reden im Kreis, ein Feuer in der Mitte. Es steht für Respekt, Verbundenheit, Gleichwertigkeit, Partizipation, Zuhören und Präsenz.

Gerade im Nachhaltigkeitskontext brauchen wir die Vielfalt der Perspektiven, benötigen wir neue und innovative Impulse. Die Zeit des einsamen Wolfes, der alle Probleme löst, ist vorbei. Ideen entstehen in engagierten Gruppen.

Wie viele Ihrer interessierten Parteien haben Sie schon einmal gleichzeitig in einen Raum eingeladen? Aufgrund eigener Erfahrung aus dem QM wagen wir zu behaupten, dass das nicht so viele waren. Wir führen jährliche Lieferantengespräche mit einzelnen Lieferant:innen. Das gleiche gilt für Kund:innen und Mitarbeitende. Die gegenseitige Inspiration, das Verständnis bleibt dabei auf der Strecke. Wovor haben wir Angst? Die Kontrolle zu verlieren?

Übung macht den Meister!

Circle Facilitation mit Einbeziehung diverser Stakeholder ist ein Prozess und kann im Kleinen beginnen. Üben Sie die Methode in Ihrer Abteilung bei Ihrem nächsten Treffen, weiten Sie sie dann auf abteilungsübergreifende Meetings aus und schließlich auf die externen Anspruchsgruppen.

Laden Sie die Anspruchsgruppen aus Ihrer Liste der Interessierten Parteien zum gemeinsamen Dialog im „Circle“ ein. Vielleicht begegnen Sie sich in dieser Konstellation das erste Mal. Das ist neu und erfordert etwas Mut. So entsteht ein Raum, in dem die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Stakeholder miteinander interagieren. Mit allen Teilnehmenden kann ein ganzheitlicher Blick auf die Organisation und deren Zukunft entstehen. Gemeinsame Entscheidungen auf dieser Basis sind kreativ, nachhaltig und authentisch.

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Über den Autor: Sandra Paul und Oliver Eller

Sandra Paul ist Textilingenieurin, Qualitätsmanagerin und Auditorin und sie steht für Managementsysteme, Methoden und Visualisierungen. Die Leidenschaft fürs Visualisieren hat sie vor zwei Jahren in einem Flipchartzeichnen Kurs für Anfänger entdeckt. Es ist ihr ein Anliegen, Unternehmen in ihrer nachhaltigen Entwicklung zu begleiten und dabei eine Balance zwischen Struktur und Freiheit zu halten. Mit ihrer Firma Visual Plot zeichnet sie wertebasierte Zukunftsbilder für Organisationen und Führungskräfte, die den sozial-ökologischen Wandel mitgestalten wollen. Darüber hinaus ist sie Gemeinwohl-Ökonomie Beraterin und gehört zum Leitungsteam des Fachkreises Nachhaltigkeit.

www.visual-plot.de

Oliver Eller ist Problemlöser und Organisationsentwickler für den Mittelstand. Mit den Schwerpunkten Kommunikation und Gruppenprozesse sowie als Beratender und Bildungsreferent ist er für die Gemeinwohl-Ökonomie aktiv.