Qualitätsmanagement praktizieren schafft Lebensfreude15 | 06 | 18

Was macht eine Karriere im Qualitätsmanagement so interessant und abwechslungsreich? Um das herauszufinden, haben wir Qualitätsmanagement-Beauftragte, Qualitätsmanagerinnen und Qualitätsmanager im DGQ-Blog dazu aufgerufen, uns über ihren beruflichen Alltag im QM zu berichten. Angefangen von ihrem Einstieg in diesen Bereich bis hin zu den Herausforderungen, die so Job ein mit sich bringt hin zu den Fähigkeiten, die zukünftig gefragt sein werden. Alle Antworten, die Sie uns gegeben haben, veröffentlichen wir regelmäßig im DGQ-Blog.

Den Anfang machte Katrin Seefeldt mit Ihrem Blogpost „Seien Sie offen für Menschen und ihre Bedürfnisse“. Danach folgte der Beitrag von Dr. Ute Kronenberg „Ein Qualitäter im klassischen Sinne ist nicht mehr zeitgemäß“. Weiter geht es mit DGQ-Mitglied Jörg Brokmann, den das Qualitätswesen bereits sein gesamtes Berufsleben begleitet. Das hauptsächliche Initial lag nach seinem Umzug aus der thüringischen Provinz nach Berlin in der ersten Anstellung als Fertigungsmesstechniker in einem kleinen mittelständischen Unternehmen. Was dort als Fertigungsmesstechnik bezeichnet wurde, heißt heute überall Qualitätssicherung und bewertet die Konformität der Produkte hinsichtlich ihrer Spezifikationen.

Was ist das Besondere an Ihrem Job?

Das Spannendste für mich ist die Tatsache, dass sich viele Elemente, die für die Arbeit eines QMB oder Qualitätsmanagers notwendig sind, relativ leicht und autodidaktisch erlernen lassen. Dies beginnt mit der Herstellung einfacher auf Excel basierender Regelkarten zur Erfassung und Auswertung der spezifischen Merkmale mit integrierter Erstellung eines Lieferbegleitscheines, der diese Merkmale ausweist. Auch die 8D-Methode ist bei konsequenter und qualitätsbewusster Anwendung sehr leicht zu erlernen, wenn die Organisation dies unterstützt. Spannend sind auch die unterschiedlichen normativen Spezifika, die die unterschiedlichen Managementsystemnormen der Branchen bieten. Es ergibt sich ein gut gefüllter Werkzeugkasten mit Methoden, die sich gut kombinieren lassen.

Wie sind Sie eigentlich in diese Position gekommen?

Das war ein Prozess, der sich über fast 13 Jahre entwickelte. Dabei spielte zunächst autodidaktisches Lernen von Methoden eine wesentliche Rolle. Berufliche und durch Arbeitgeber unterstützte Weiterbildungen zum Prüfmittelbeauftragten sowie zum internen Auditor führten im weiteren Verlauf zu einer Festigung des Qualitätsbewusstseins. Durch häufige Wechsel der Einsatzunternehmen wuchsen zudem das Prozessverständnis sowie die Fähigkeit, Prozesse und Managementsysteme zu beurteilen. Den aktuell erreichten Meilenstein bildete eine durch die Bundesagentur für Arbeit finanzierte Fortbildung mit Personenzertifizierung zum Qualitätsbeauftragten und Qualitätsmanager.

Was muss man können, um im Bereich Qualitätsmanagement erfolgreich zu sein?

In erster Linie sollten normative und gesetzliche Anforderungen gelesen, verstanden und interpretiert werden können. Wer Managementsystemnormen als roten Faden begreift, entlang dessen man mit weiten Spielräumen ein System gestalten kann, hat, so denke ich, einen guten Grundstein für erfolgreiche QualiTäterschaft. Immens wichtig sind statistische Grundlagen sowie die Tools und Methoden des QM-Wesens. Dies fängt bei den Q7- & M7-Tools an und hört bei 8D, FMEA und QFD noch lange nicht auf. Grundlegendes Wissen über diese Methoden sollte vorhanden sein, vor Anwendung kann jedoch ein Training oder eine Schulung für Anwender zumeist sehr nutzbringend sein.

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in Ihrem Job?

Die Herausforderungen bilden ein sehr weites Feld. Die wesentlichsten dabei waren bisher vor allem der Mangel an gesundem Qualitätsbewusstsein, Kommunikation und konsolidiertem Begriffsverständnis. Hierzu zählen Qualitätsabteilungen, die ihre Mitarbeiter aus Strafversetzungen gewinnen, Führungskräfte mit fehlenden fachlichen und sozialen Kompetenzen und sehr oft Fehlinterpretationen international anerkannter und harmonisierter Normen. Dies führte in der Vergangenheit oft dazu, dass erkannte Probleme nicht behoben, sondern wegdiskutiert wurden. Das Hamsterrad stand niemals still.

Aktuell freue ich mich, in einem stärker regulierten Umfeld tätig zu sein, das sehr starken Wert auf risiko- und kundenbasierte Ansätze legt. Die Arbeit mit thematisch neuen Normen und Gesetzen schafft Interpretationssicherheit und Erkenntnisgewinn. Die Abarbeitung daraus resultierender wiederkehrender Formalismen kann sich hier als „nerviger“ Faktor erweisen, dem es professionell zu begegnen gilt. Zudem steht die Herausforderung einer normativen Transition und Zertifizierung ins Haus, die Chancen für strategische Gestaltungsspielräume bietet.

Berufsbild Qualitätsmanager

Qualität ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg jedes Unternehmens und ein wichtiger Faktor für Kunden. Um Qualität zu erzeugen, braucht es ein gutes Konzept und ein reibungsloses Zusammenspiel aller Beteiligten. Eine Schlüsselrolle dabei haben Qualitätsmanager. Sie helfen der Unternehmensleitung, den Führungskräften, Prozesseignern und Mitarbeitenden, das Unternehmen qualitätsfähig zu machen. Als „Systemarchitekten“ unterstützen Sie dabei, ein Qualitätsmanagementsystem aufzubauen und weiterzuentwickeln. Finden Sie eine Karriere im Qualitätsmanagement spannend?
Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie in unserem Berufsbild zum Qualitätsmanager:

  • Was versteht man unter Qualitätsmanagement?
  • Welche Aufgaben betreuen Qualitätsmanager?
  • Wie wird man Qualitätsmanager?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
  • Wie viel verdient man als Qualitätsmanager?
  • Welche Karrieremöglichkeiten gibt es als Qualitätsmanager?

Zum Berufsbild Qualitätsmanager »

Was heißt Qualität für Sie und was zeichnet ein gutes Qualitätsmanagementsystem aus?

Ein gutes Qualitätsmanagementsystem lebt in allen Ebenen eines Unternehmens, ausgehend von der obersten Leitung und entweicht somit aus der oberflächlichen Wahrnehmung. QMS in Perfektion sollte den Qualitätsmanager als agierendes Element obsolet machen, so meine gegenwärtige These. Wenn ich als Qualitätsmanager einen guten Job gemacht habe, sollte ich für das Unternehmen überflüssig sein. Das Unternehmen hat die Klasse der Business Excellence erreicht.

Gute Qualität bedeutet, Fehler zulassen zu können. Jedoch jeweils nur einmal, um folgend mit geeigneten Maßnahmen das wiederholte Auftreten dieses Fehlers zu verhindern. Ebenso geht gute Qualität mit grundständiger Ehrlichkeit bei der Auswertung der entsprechenden Statistiken und der Auswahl der zugrundeliegenden Datenbasis einher. Verzerrte Einschätzungen der „Qualitätskosten“ gehen meist wesentlich später zu Lasten der Firmenreputation und der Überlebensfähigkeit des Unternehmens.

Ein Leitsatz, den ich von Wolfgang Schlenzig gelernt habe, drückt mein Selbstverständnis von QM so gut aus, dass ich keine bessere Formulierung finden mag: „Qualitätsmanagement praktizieren schafft Lebensfreude. So zu handeln macht glücklich.“

Wie sehen Sie das Berufsbild eines Qualitätsmanagers in der Zukunft?

Die Zukunft der Q-Zunft liegt nach meinem Empfinden in der Funktion als „Stimme des Kunden“ im eigenen Unternehmen. Damit verbinden sich vor allem planerische Tätigkeiten, um die Anforderungen des Kunden kennen und erfüllen zu können. Bestenfalls, bevor diese Anforderungen formuliert sind. Qualitätsmanagement wird sich vermehrt weg von der verwaltenden Aufgabe zu einer der Organisationentwicklung bewegen, die das Qualitätsbewusstsein aller Mitarbeiter fördert, prägt und manifestiert. Der Qualitätsmanager, der in vielen Häusern augenrollend als regelreitender Störenfried mit der Normenkeule erlebt werden kann, sollte sich in den Freund des Werkers wandeln, der ihm die Arbeit erleichtert und unterstützend wirkt. So kann der Qualitätsmanager künftig zu einem wichtigen Entwickler von gesunder Organisationskultur werden.

Welche Tipps geben Sie Berufseinsteigern in Ihrem Bereich mit auf den Weg?

  • Setzen Sie für sich persönliche smarte Ziele sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig und verfolgen Sie diese konsequent.
  • Verschaffen Sie sich Fachwissen im Tätigkeitsfeld, erlernen und trainieren Sie Methoden und bleiben Sie geistig offen für die Entwicklungen in der Arbeitswelt.
  • Begreifen Sie jedes Risiko als Chance und wechseln Sie regelmäßig den Betrachtungswinkel auf jedes Problem.
  • Tragen Sie zu einer organisationsübergreifend gleichen Interpretation von Begriffen bei, die abteilungsspezifisch unterschiedlich ausgelegt werden können.
  • Scheitern Sie erfolgreich und gehen Sie gestärkt daraus hervor.
  • Bilden Sie sich Ihr Netzwerk im Unternehmen, tragen Sie dazu bei, dass alle im Boot auch in die gleiche Richtung rudern.
  • Zweifeln Sie oft und hinterfragen Sie alles.
  • Nutzen Sie das Netzwerk und die Veranstaltungen der DGQ als unterstützendes Element zur Überprüfung und weiteren Entwicklung Ihres eigenen Weges und zur Einholung wertvoller Expertenratschläge.

 

Streben auch Sie eine Karriere im Qualitätsmanagement an?

Wir beraten Sie gern – telefonisch unter 069 954 24-333 oder per Mail an weiterbildung@dgq.de

Weitere Informationen zu den DGQ-Qualitätsmanagement-Trainings

Über den Autor: Jörg Brokmann

Jörg Brokmann, geboren 1976 in Ilmenau, ist staatl. gepr. Physikalisch-technischer Assistent, lebt und arbeitet seit 2003 in Berlin, ist seit 2015 zertifizierter QB und QM für ISO 9001 mit umfangreicher Praxiserfahrung im Qualitätswesen unterschiedlichster Ausprägungen, normativen Anforderungen und Gewerke. Seit 2018 beschäftigt sich das aktive DGQ-Mitglied mit Qualitätssicherung, Risikomanagement, internem Audit und regulatorischen Angelegenheiten bei einem Hersteller von Medizinprodukten der Klassen I und IIa.