QM und Spiele: Alles für die Tonne7 | 07 | 15

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Wir arbeiten in unseren Organisationen tagtäglich mithilfe formaler und informaler Regeln, ausgerichtet an übergreifenden Zielen. Unternehmen lassen sich aber auch als ein Netz von Akteuren mit eigenen, teils gegenläufigen Interessen und wechselnden Koalitionen begreifen. Die sogenannte mikropolitische Perspektive auf das Handeln in einer Organisation versteht jeden Einzelnen dann auch als einen „Mikropolitiker“ mit eigener Agenda. So weitergedacht, wird das Unternehmen in der Organisationsforschung zum mikropolitischen Spielplatz. Wobei sich wohl bei weitem nicht alle Mitarbeiter aktiv in einer solchen Rolle wähnen oder diese entsprechend interpretieren. Die Spieler loten, das Spiel hier als Bild für den Rahmen formeller und informeller Regeln, immer wieder aufs Neue das zwischen Freiheiten und Zwängen Mögliche aus. Auch das QM-System muss als Teil der in der Organisation stattfindenden Spiele sichtbar werden und bleiben. Die Umsetzung und Aufrechterhaltung seiner Elemente muss so viel Bedeutung haben, dass sich eine Beachtung der auf das QM-System bezogenen Spiele für die Akteure auf den verschiedenen Ebenen auszahlt (Mitgestaltungsmöglichkeiten, Anerkennung etc.).

Entscheidungen bilden sich nach dem „Mülleimermodell“

In so mancher Organisation sind diese Spiele dabei weniger durch einen rational ablaufenden Prozess (eindeutige und nachvollziehbare Spielregeln/-anleitung) mit klarer Zielsetzung gekennzeichnet. Nach dem sogenannten „Mülleimermodell“ bilden sich Entscheidungen vielmehr aus dem eher zufälligen Zusammenfluss unterschiedlicher „Ströme“, wie den in einem Unternehmen akuten Problemen, vorhandenen Lösungsmöglichkeiten oder sich öffnenden Entscheidungsfenstern. Legitimiert und in die Weiterentwicklungsgeschichte des Unternehmens eingeordnet werden so getroffene Entscheidungen dann erst rückwirkend. Mithilfe dieses Blickes in den Rückspiegel erscheinen die Maßnahmen als Resultat eines geplanten, in die Zukunft gerichteten Handelns.

Ein QM-System muss als Bereich des Spielfelds erkennbar sein

Unabhängig davon, ob die Entscheidungsfindung in einem Unternehmen nun von eher klaren Strukturen geprägt ist oder ob Entscheidungen dort – ganz wertfrei verstanden – eher in der Mülltonne getroffen werden: Ein QM-System muss also als ein Bereich des Spielfelds erkennbar sein, heißt, es müssen Möglichkeiten der Einflussnahme, des Miteinanderspielens geboten werden. Mit großem Prozess-Know-how und einer gut sortierten Auswahl von Methoden und Werkzeugen kann QM hier überzeugende Beiträge zur erfolgreichen Aufrechterhaltung des Spielbetriebs und dessen Fortentwicklung liefern. Das gelingt selbstredend nur gemeinsam mit den dazu notwendigen Mitspielern. Die Unterstützung der Geschäftsleitung, die mit der ISO 9001-Revision weiter in den Fokus gerät, sei da nur als ein Baustein von vielen genannt – wieder einmal. Ihnen ein unterhaltsames weiter miteinander spielen.

Über den Autor:

Malte Fiegler arbeitet im Team Innovation & Transformation der DGQ zu organisationalen Prozessen und Akteuren. Themen, die den Sozialwissenschaftler dabei besonders beschäftigen, sind der unternehmerische Umgang mit Unsicherheit und die Arbeit der Zukunft. Als Untersuchungsgegenstand, Forschungspartner und Adressat der Ergebnisse spielt bei diesen Aktivitäten das diverse Netzwerk der DGQ eine gewichtige Rolle.

mf@dgq.de 0 69 954 24-255

2 Kommentare bei “QM und Spiele: Alles für die Tonne”

  1. 1947413561ff0f075e0f08975f15d507 Sonja sagt:

    Herr Fiegler, ein wirklich sehr interessanter ARtikel der auch zum nachdenken anregt. Ich glaube aber doch, dass man den Fokus viel mehr auf den Chef lenken sollte, denn ohne ihm funktioniert nämlich auch das „Mülleimermodell“ nicht, denn dann bilden sich wahrlich Entscheidungen vielmehr aus dem eher zufälligen Zusammenfluss unterschiedlicher „Ströme“ ab. Selbst die unkontrollierten Ströme müssen kontrolliert werden, damit aus dem geordneten Chaos wieder eine Richtung wird. LG Sonja

  2. Malte Fiegler sagt:

    Sonja, sehe ich genauso. Die Geschäftsleitung spielt eine wichtige Rolle. Auch dann, wenn wir die Entscheidungsfindung bestimmter Unternehmen – modellhaft – als „Mülleimer“ betrachten. Man spricht mit Blick auf solche ineinanderfließenden Prozesse von „organisierter Anarchie“. Ist ja per se erst einmal nicht schlecht. Mit solchen Entscheidungsmustern sind Organisationen durchaus erfolgreich. Es kommt unter anderem darauf an, welche Ziele erreicht werden sollen. Und Führung muss in der Tat Wege finden, durch diese instabilen, sich wandelnden Ströme hindurch zu manövrieren. Viele Grüße schickt Malte Fiegler

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