Auditfest statt Dokumentenchaos: Normanforderungen mit digitalen QM-Systemen effizient umsetzen29 | 09 | 26

Dokumentenchaos, Struktur

Dokumentierte Informationen gehören zu den grundlegenden Anforderungen nahezu aller Managementsystemnormen. Ob ISO 9001, ISO 13485, ISO 14001 oder andere Regelwerke: Unternehmen müssen sicherstellen, dass relevante Informationen aktuell, verfügbar und nachvollziehbar gelenkt werden. Spätestens im Zertifizierungsaudit zeigt sich, ob dies im Arbeitsalltag tatsächlich gelingt.

Die Anforderungen sind dabei meist klar definiert, die Umsetzung gestaltet sich jedoch oft deutlich anspruchsvoller: Veraltete Dokumente, aufwendige Freigabeprozesse oder fehlende Transparenz bei Änderungen gehören nach wie vor zu den typischen Herausforderungen im Qualitätsmanagement. Zwar arbeiten viele Unternehmen bereits digital, dennoch werden dokumentierte Informationen häufig noch mit hohem manuellem Aufwand verwaltet.

Dabei bieten digitale QM-Systeme weit mehr als eine reine Ablage für Verfahrens- und Arbeitsanweisungen: Richtig eingesetzt unterstützen sie Unternehmen dabei, Normanforderungen effizient umzusetzen, Verantwortlichkeiten transparent abzubilden und die Nachvollziehbarkeit von Änderungen sicherzustellen.

Was die Norm tatsächlich fordert

Normen wie auch die kürzlich aktualisierte ISO 9001:2026 machen nur wenige Vorgaben zur Form der Dokumentation. Sie definieren vielmehr Anforderungen an die Lenkung dokumentierter Informationen: Dokumente müssen eindeutig identifizierbar, geprüft und freigegeben sein. Zudem muss jederzeit erkennbar sein, welche Version aktuell gültig ist.

Ebenso wichtig ist die Nachvollziehbarkeit von Änderungen. Das Unternehmen sollte belegen können, wer eine Änderung vorgenommen hat, wann diese erfolgt ist und welche Version zuvor gültig war. Darüber hinaus müssen veraltete Dokumente vor unbeabsichtigter Verwendung geschützt und relevante Nachweise entsprechend archiviert werden.

Die Norm fordert keine bestimmte Software. Gefordert wird vielmehr ein System, das dokumentierte Informationen zuverlässig steuert und nachvollziehbar macht.

Vier Erfolgsfaktoren für die normkonforme Umsetzung

In der Praxis haben sich vier Faktoren als besonders effektiv erwiesen.

Klare Struktur

Dokumente sollten logisch organisiert und leicht auffindbar sein. Denn nur wer Informationen schnell findet, kann sie im Arbeitsalltag zuverlässig nutzen. Moderne QM-Systeme gehen dabei über klassische Ordnerstrukturen hinaus: Sie ermöglichen unterschiedliche Sichten auf dieselben Informationen, beispielsweise nach Standorten, Abteilungen, Verantwortlichkeiten oder Normzuordnung. So finden Mitarbeitende schneller die für sie relevanten Inhalte, ohne sich an einer einzigen Struktur orientieren zu müssen.

Eindeutige Verantwortlichkeiten

Wer erstellt ein Dokument? Wer prüft es fachlich? Wer erteilt die Freigabe? Klare Rollen schaffen Transparenz und verhindern Verzögerungen in Dokumentenprozessen. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass Verantwortlichkeiten auch im Audit nachvollziehbar nachgewiesen werden können.

Konsequente Versionierung

Veraltete Dokumente zählen zu den häufigsten Ursachen für Abweichungen. Deshalb muss jederzeit ersichtlich sein, welche Version gültig ist. Frühere Versionen sollten archiviert werden, damit Änderungen und Entscheidungen auch im Nachhinein nachvollzogen werden können.

Transparente Nachvollziehbarkeit

Freigaben, Änderungen und Prüfungen müssen dokumentiert sein. Und je einfacher diese Informationen abrufbar sind, desto geringer ist der Aufwand bei internen und externen Audits. Eine lückenlose Dokumentation schafft nicht nur Sicherheit für Auditoren, sondern auch für die eigene Organisation.

Vom Dokument zum Workflow

Wie groß der Unterschied zwischen einer digitalen Ablage und einem digital unterstützten Prozess sein kann, zeigt ein typisches Beispiel aus dem QM-Alltag:

Ein Prozessverantwortlicher aktualisiert eine Arbeitsanweisung aufgrund geänderter Anforderungen. In vielen Unternehmen wird die neue Version anschließend per E-Mail an verschiedene Beteiligte versendet, manuell freigegeben und danach verteilt. Ob alle Betroffenen informiert wurden und mit der aktuellen Version arbeiten, muss zusätzlich nachverfolgt werden. Ist die Unterschriftenliste also doch weiterhin notwendig?

In einem digitalen QM-System wird derselbe Vorgang über einen definierten Workflow gesteuert. Nach der Überarbeitung des Dokuments startet automatisch der Freigabeprozess. Prüfer und Freigeber erhalten ihre Aufgaben direkt im System, Bearbeitungsstände sind transparent und Entscheidungen werden revisionssicher dokumentiert.

Nach der Freigabe informiert das System die betroffenen Mitarbeitenden automatisch. Falls erforderlich, stößt es eine Kenntnisnahme oder Schulung an und dokumentiert diese. Gleichzeitig archiviert das System die vorherige Version, sodass der gesamte Änderungsverlauf nachvollziehbar bleibt.

Aus einer einzelnen Dokumentenänderung entsteht so ein strukturierter und auditfähiger Prozess. Die Anforderungen der Norm werden nicht nur erfüllt, sondern effizient in den Arbeitsalltag integriert.

Auditfähigkeit entsteht im Tagesgeschäft

Viele Unternehmen beginnen erst kurz vor einem externen Audit mit der Zusammenstellung von Nachweisen. Tatsächlich entsteht Auditfähigkeit jedoch nicht in den Wochen vor der Zertifizierung, sondern im täglichen Umgang mit dokumentierten Informationen. Werden Freigaben, Änderungen, Schulungen und Versionen kontinuierlich dokumentiert, stehen die erforderlichen Nachweise im Audit bereits zur Verfügung. Die Vorbereitung reduziert sich dadurch deutlich auf die Bewertung und Bereitstellung bestehender Informationen.

Fazit

Veraltete Dokumente, unklare Freigaben oder aufwendige Nachweissuchen entstehen meist nicht durch fehlende Dokumentation, sondern durch fehlende Steuerung. Digitale QM-Systeme helfen dabei, dokumentierte Informationen normkonform, nachvollziehbar und effizient zu lenken. So wird Auditfestigkeit nicht zur Momentaufnahme vor der Zertifizierung, sondern zum festen Bestandteil des QM-Alltags.

 

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Über die Autorin: Dorothee Dilli

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Dorothee Dilli und unterstützt seit 2022 das Team der Roxtra GmbH, einem Anbieter für Softwarelösungen im Bereich Qualitäts- und Prozessmanagement. Ihr besonderes Interesse gilt der Herausforderung, QM-Themen für alle nachvollziehbar darzustellen, um auch im Alltag QM (er-)leben zu können. Innerhalb des DGQ-Netzwerks ist sie bei den „Frauen im QM“ sowie im „Regionalkreis Stuttgart“ aktiv.

www.roxtra.com