„Zeigen, welchen Beitrag die nächste Generation zur Weiterentwicklung der Qualitätskultur leisten kann“26 | 01 | 26

Was bewegt die nächste Generation im Qualitätsmanagement? DGQ Community Manager Simon Gudat spricht im Interview über die Weiterentwicklung der QM Youngsters, neue Austauschformate und das Mentoring-Programm der DGQ. Dabei gibt er spannende Einblicke, wie die QM Youngsters neue Impulse für Qualitätskultur und Organisationsentwicklung setzen und dabei praxisnah, vernetzt und generationenübergreifend vorgehen.
Bei den QM Youngsters hat sich 2025 viel getan. Was waren Deine Highlights und warum?
2025 war für die QM Youngsters ein Jahr des Zusammenwachsens und zugleich der Weiterentwicklung. Möglich wurde dies unter anderem durch ein neu aufgestelltes, größeres Leitungsteam, mit dem wir im Community Management die Angebote für Young Professionals gemeinsam ausbauen. Fortgeführte Projektarbeiten unter dem Titel „Next Generation Q“, die sich mit der Rolle des QM in der Zukunft beschäftigen, ergänzten diese Entwicklung.
Ein besonderes Highlight war für mich außerdem der Start des neuen Mentoring-Programms. Das große Interesse – sowohl auf Seiten der Mentees als auch der Mentor:innen – hat deutlich gemacht, wie relevant dieses Angebot für junge Qualitätsverantwortliche ist.
Besonders stolz bin ich darauf, dass es gelungen ist, diese verschiedenen Aktivitäten gezielt miteinander zu verzahnen. Aus einzelnen Formaten ist so Schritt für Schritt ein zusammenhängendes Austausch- und Entwicklungsangebot entstanden. Diese Kombination aus fachlichem Anspruch und persönlichem Austausch macht die QM Youngsters aktuell besonders stark.

Auftakt-Meeting zum ersten DGQ-Mentoring-Programm der DGQ QM Youngsters (© Katrin Witte-Abbe)
Was macht Deine Rolle in der Zusammenarbeit mit den DGQ QM Youngsters aus? Wie gestaltest Du Deine Rolle?
Ich verstehe meine Rolle vor allem als Ermöglicher und Vermittler. Einerseits schaffe ich die Rahmenbedingungen, in denen sich die QM Youngsters vernetzen, voneinander lernen und eigene Themen setzen können. Andererseits trage ich Impulse aus der Community in die DGQ hinein – und umgekehrt, etwa in Richtung Fachkreise, Veranstaltungs-Programme oder neue Formate.
Wichtig ist mir dabei, nicht alles vorzugeben. Die besten Ideen entstehen dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und Dinge ausprobieren dürfen. Meine Aufgabe ist es dann, Struktur zu geben, Orientierung zu schaffen und dafür zu sorgen, dass aus guten Ideen tragfähige Formate werden.
Welche Inhalte und Themen treiben die QM Youngsters aktuell besonders um?
Die Themenvielfalt ist groß, denn abgesehen vom Alter ist die Community sehr divers – hinsichtlich Branchen, Rollen im Unternehmen und Berufserfahrung. Im Rahmen von Praxiseinblicken in den Monatsmeetings bringen einzelne Mitglieder ihre Erfahrungen, Herausforderungen oder Fragestellungen aus dem Berufsalltag ein. Gemeinsam versuchen wir dann, übergeordnete Erkenntnisse herauszuarbeiten, sodass jede und jeder etwas für sich mitnehmen kann.
Ein wiederkehrendes Thema ist die Rolle vieler QM-Fachkräfte in Unternehmen, in denen Qualitätsmanagement häufig in Einzelbesetzung organisiert ist – etwa in KMU, in denen QM-Abteilungen teilweise aus nur einer Person bestehen. Dieses Phänomen ist nicht exklusiv bei den QM Youngsters zu beobachten, erhält jedoch gerade in frühen Karrierephasen eine besondere Bedeutung.
Gleichzeitig beobachten wir eine hohe Affinität zu neuen Methoden und Tools – etwa im Bereich KI oder digitaler Kollaboration.
Beim Projekt „Next Generation Q“ arbeiten Teams junger Qualitätsverantwortlicher an Ansätzen für die Organisationskultur von morgen. Wie kam es zu diesem Projekt und was war die Zielsetzung?
Die Idee von Next Generation Q ist es, bewusst Raum für Themen zu schaffen, die im eigenen Unternehmenskontext häufig gar nicht erst entstehen. In letzterem dominieren meist sehr konkrete, unternehmensspezifische Fragestellungen. Next Generation Q ermöglicht dagegen einen Perspektivwechsel hin zu übergeordneten Fragen der Organisations- und Qualitätsentwicklung – aber auch zu unkonventionellen, kreativen Zugängen.
So beschäftigen sich die Teams nicht nur mit klassischen QM-Themen, sondern auch mit der Frage, wie Inhalte neuartig vermittelt werden können: etwa durch humorvolle Comics, die mithilfe von Künstlicher Intelligenz Arbeitssicherheit erklären, oder durch Formate, die bewusst weg vom reinen Text als Medium gehen. Ziel ist es, neue Wege der Kommunikation und Wissensvermittlung auszuprobieren. Junge Qualitätsverantwortliche aus unterschiedlichen Branchen und Regionen arbeiten dabei gemeinsam an diesen Fragestellungen und tragen ihre Impulse anschließend in die Community zurück. Dies geschieht beispielsweise über den Austausch auf der Mitgliederplattform DGQplus oder die verschiedenen Veranstaltungen der DGQ.
Wir setzen bewusst auf einen kompakten Zeitraum von rund drei Monaten. Dadurch arbeiten die Teams fokussiert und zielgerichtet. Das Vorgehen orientiert sich an agilen Sprints: pragmatisch, ergebnisorientiert und mit geringer Fallhöhe.
Welche Ergebnisse aus dem Projekt haben besonders gezündet – und warum gerade diese?
Besonders gezündet haben die Projekt-Ergebnisse dort, wo sie zentrale Spannungsfelder im heutigen Qualitätsmanagement sichtbar gemacht und zur Diskussion gestellt haben. Auf dem Norddeutschen Qualitätstag, wo Mitglieder aus den Arbeitsgruppen die Projektergebnisse vorgestellt haben, traf die Frage nach der Führungskultur von morgen einen Nerv: Die vorgestellten Praxisbeispiele haben gezeigt, dass sinkende Bereitschaft zu folgen weniger mit Autoritätsverweigerung zu tun hat, sondern vielmehr mit dem Wunsch nach Beteiligung, Transparenz und Sinnhaftigkeit. Dieser Perspektivwechsel hat viele Teilnehmende zur Selbstreflexion angeregt.

Die Arbeitsgruppen der DGQ-Initiative „Next Generation Q“ stellten ihre Ergebnisse auf dem SQT 2025 vor (©DGQ)
Auch die entsprechenden Beiträge auf dem Süddeutschen Qualitätstag haben große Resonanz erzeugt. Die Auseinandersetzung mit QM-Kommunikation, die oft als überformalisiert und praxisfern erlebt wird, sowie mit dem veränderten Rollenverständnis von Expert:innen im Zuge von Digitalisierung und KI, hat deutlich gemacht, dass Qualitätsmanagement sich nicht nur fachlich, sondern auch kulturell und kommunikativ weiterentwickeln muss.
Was diese Ergebnisse besonders stark gemacht hat, war ihre Nähe zur Praxis – kombiniert mit einem übergeordneten Blick. Die jungen QM-Fachkräfte haben keine fertigen Lösungen präsentiert, sondern Denkanstöße geliefert, die Diskussionen geöffnet und gezeigt, welchen Beitrag die nächste Generation zur Weiterentwicklung der Qualitätskultur leisten kann.
2025 ist das neue DGQ-Mentoring-Programm an den Start gegangen. Wie kam es dazu und welcher Gedanke steht dahinter?
Das Mentoring-Programm ist aus dem Wunsch entstanden, den bestehenden Gruppenaustausch gezielt um ein Eins-zu-Eins-Format zu ergänzen. Viele junge Qualitätsverantwortliche suchen nicht nur fachliche Antworten, sondern auch Orientierung auf einer persönlicheren, tiefergehenden Ebene. Während der Austausch in der Gruppe hilft, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, ermöglicht Mentoring im Eins-zu-Eins-Setting zudem die vertiefte Arbeit an individuellen Fragestellungen.
Der Grundgedanke ist daher: Austausch auf Augenhöhe, Lernen in beide Richtungen und ein klarer, aber bewusst nicht überregulierter Rahmen. Mentoring verstehen wir nicht als Einbahnstraße, sondern als gemeinsamen Entwicklungsprozess.
Warum lohnt es sich für junge Qualitätsverantwortliche, beim DGQ-Mentoring-Programm mitzumachen?
Der größte Mehrwert liegt im persönlichen Austausch. Teilnehmende erhalten die Möglichkeit, eigene Themen zu reflektieren, neue Perspektiven kennenzulernen und ihr Netzwerk jenseits klassischer Weiterbildungsformate zu erweitern.
Besonders ist dabei die Kombination aus Struktur und Offenheit: Es gibt Leitplanken, Materialien und Austauschformate – gleichzeitig aber genug Freiraum, um das Mentoring individuell auf die Bedürfnisse der Tandems zuzuschneiden. Nicht wir geben die Themen vor, sondern die Teilnehmenden.
Welche Themen sind für Mentees und Mentor:innen besonders relevant und wie greift ihr das im Programm auf?
Typische Themen sind beispielsweise solche aus dem Bereich Organisationsentwicklung, sprich: Rollenklärung, Karrierewege, der Umgang mit Widerständen in Organisationen oder konkrete fachliche Fragestellungen. Daneben spielen Soft Skills wie Kommunikation, Selbstorganisation und persönliche Weiterentwicklung eine große Rolle.
Die Teilnehmenden bringen dabei sehr unterschiedliche Hintergründe mit – vom Bachelorstudierenden über erfahrene Führungskräfte im QM bis hin zu Personen, die als Alleinverantwortliche Zertifizierungen stemmen und den Spagat zwischen Berufs- und Privatleben meistern müssen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Austausch wider.
Beim Auftaktmeeting des Mentoring-Programms stand das „Matching“ im Fokus. Was wäre für Dich ein „perfektes Tandem“?
Das wichtigste Kriterium für ein gutes Tandem ist für mich zunächst Neugier und Offenheit – und genau diese Haltung bringen alle bisherigen Teilnehmenden mit. Wenn beide Seiten bereit sind zuzuhören, Fragen zu stellen und sich auf den Austausch einzulassen, entsteht eine sehr produktive Grundlage für Mentoring.
Darauf aufbauend geht es beim Matching darum, die jeweiligen individuellen Bedürfnisse möglichst gut zusammenzubringen. Grundlage dafür sind vorher erstellte Steckbriefe und – wo nötig – ergänzende persönliche Gespräche. Bei manchen Tandems stehen sehr konkrete fachliche Fragestellungen im Vordergrund, bei denen eine ähnliche Branche oder Erfahrung besonders hilfreich ist. In anderen Fällen geht es stärker um Themen wie Selbstorganisation, Rollenklärung oder persönliche Entwicklung – dort ist weniger die Branche entscheidend als die menschliche Ebene und das gegenseitige Verständnis.
Genau diese differenzierte Herangehensweise macht für mich ein passendes und wirksames Tandem aus.
Auf welche QM-Youngsters-Aktivitäten dürfen sich Interessierte 2026 freuen?

Arbeitsgruppen der DGQ QM-Youngsters auf dem DGQ-Qualitätstag 2024 (©DGQ)
Auch 2026 setzen wir auf die bewährte Kombination aus geschütztem Austausch, Projektarbeit und persönlicher Entwicklung. Geplant sind unter anderem eine dritte Runde von Next Generation Q und damit einhergehend fachliche Beiträge im Rahmen des DGQ-Qualitätstags sowie ein weiteres Mentoring-Programm. Darüber hinaus möchten wir die Zusammenarbeit mit Hochschulen weiter ausbauen und neue Zugänge für Studierende schaffen. Ziel bleibt es, junge Menschen früh für Qualität und Organisationsentwicklung zu begeistern und ihnen eine aktive Rolle innerhalb der DGQ zu ermöglichen.
Über den Interviewgast:
Simon Gudat ist als Community Manager bei der DGQ verantwortlich für die QM Youngsters. Er bringt einen beruflichen Hintergrund in der Öffentlichkeitsarbeit mit und setzt sich regelmäßig mit der Frage auseinander, wie verschiedene Generationen voneinander lernen und voneinander profitieren können.
| Teilnahme bei den QM-Youngsters Die QM-Youngsters vernetzen Menschen unter 35 mit QM-Bezug. Bringt eure Themen mit, vernetzt euch mit anderen Young Professionals und Studierenden – und gestaltet das Qualitätsmanagement von morgen. Neben den monatlichen Austauschformaten gibt es bei den QM-Youngsters immer wieder spannende Projekte und Aktionen zu entdecken! Jetzt informieren » |