Wir arbeiten nicht auf einem Flugzeugträger!20 | 05 | 15

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Verfügen Sie über eine wettbewerbsfähige Innovationsstrategie? Welche Rolle spielt die vieldiskutierte Nachhaltigkeit? Wird bereits an einer Resilienzstrategie gearbeitet? Und wie wichtig ist Qualität im Rahmen der Unternehmensstrategie? Wenn der Buzzword-Alarm langsam verhallt, dann bleibt hier trotz alledem die Notwendigkeit, sich als Organisation zukunftsfähig aufzustellen.

In den in der Praxis genutzten Managementsystemen lassen sich dementsprechend vielfältige Anknüpfungspunkte erkennen. Diese gilt es, im Rahmen einer übergreifenden Organisationsanalyse immer wieder neu zu entdecken, zu bewerten und weiterzuentwickeln. Ob Audits dazu beitragen, steht und fällt nicht zuletzt mit der Relevanz, die die Geschäftsführung diesem Instrument beimisst.

Dabei bietet die seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts voranschreitende Integration von Teilmanagementsystemen (Qualität, Umwelt, Arbeitssicherheit etc.) Möglichkeiten, übergreifende Managementsysteme zu gestalten, die verschiedenste Perspektiven der Unternehmensführung abdecken.

Eher bürokratisch geprägte Organisationen versuchen, die Belastbarkeit von Prozessen durch feste Regeln und Abläufe und eine feste Verteilung der Kompetenzen zu gewährleisten. Das Miteinanderarbeiten in sogenannten Hochsicherheitsorganisationen (Flugzeugträger, Luft- und Raumfahrtunternehmen, Atomkraftwerke etc.) ist darüber hinaus von einer stark ausgebildeten Kultur der Achtsamkeit geprägt. Sie kennzeichnen fünf zentrale Elemente:

  • Rigorose Auswertung von Fehlern und Überraschungen (Fehlerkultur)
  • Mut zur Komplexität (Strategie zur Verhinderung der Tendenz, neuen Fragen mit alten Lösungen zu begegnen)
  • Hohe Achtsamkeit gegenüber dem Hier und Jetzt (Augenmerk auf operative Realität gerichtet)
  • Hohe Investition in Wissensmanagement und Mitarbeiterkompetenz (starke Relevanz von Simulation und Training)
  • Flexibilität in der Entscheidungsfindung: erlaubte Änderung der Hierarchie (z. B. als Reaktion auf unerwartete Ereignisse)

Auch wenn das Handeln in derartigen Organisationen oft stark von einem „technisierten“ Blick auf Herausforderungen bestimmt wird, lassen sich auch für andere Organisationstypen, die ihre Umwelt uns Stakeholder fest im Blick haben müssen, Ableitungen vornehmen. So kann uns der Vergleich der verschiedenen Strategien zur Bewältigung unerwarteter Ereignisse viel über die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit einer Organisation und ihrer Managementsysteme – auch im Normalbetrieb – lehren. Hochsicherheitsorganisationen bieten uns ein Muster an, gegen das auch andere, mehr kontrollorientierte Ansätze, geprüft werden können.

Bevor also die nächste Sau über das Flugdeck gejagt wird, lohnt sich dieser Blick unter Deck in jedem Fall. Denn nicht nur an Bord eines Flugzeugträgers befindet sich eine Menge Stauraum für Systeme, Ansätze und Werkzeuge, die erfolgsversprechend weiterentwickelt und dann – Zukunft gestaltend – eingesetzt werden können.

Über den Autor:

Malte Fiegler arbeitet im Team Innovation & Transformation der DGQ zu organisationalen Prozessen und Akteuren. Themen, die den Sozialwissenschaftler dabei besonders beschäftigen, sind der unternehmerische Umgang mit Unsicherheit und die Arbeit der Zukunft. Als Untersuchungsgegenstand, Forschungspartner und Adressat der Ergebnisse spielt bei diesen Aktivitäten das diverse Netzwerk der DGQ eine gewichtige Rolle.

mf@dgq.de 0 69 954 24-255

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