ISO-GPS: Ausgewählte Normen – eine Einordnung31 | 05 | 17

Ausgewählte GPS-Normen

In meinem ersten Beitrag habe ich Ihnen die haftungsrechtliche Bedeutung im Umgang zwischen Lieferanten und Kunden mit technischen Zeichnungen skizziert und den aktuellen Normungsstand (Stand Mai 2017) aufgelistet. In diesem Blog möchte ich nun ausgewählte fundamentale GPS-Normen für Sie einordnen:

DIN EN ISO 14638:2015-12: GPS-Matrix-Modell

(Übersicht/Masterplan) des ISO-GPS-Systems

Das ISO-GPS-System wird zur Beschreibung geometrischer Merkmale von Werkstücken, in verschiedenen Phasen innerhalb des Lebenszyklus eines Werkstückes (zum Beispiel Konstruktion, Herstellung und Prüfung) verwendet.

Eine fundamentale ISO-GPS-Grundnorm ist DIN EN ISO 14638:2015. Sie erläutert das Konzept der geometrischen Produktspezifikation (ISO-GPS) und gibt eine Übersicht darüber, wie gegenwärtige und künftige ISO-Normen die Anforderungen an das ISO-GPS-System behandeln.

Die Übersicht soll für die Anwender von ISO-GPS-Normen von Nutzen sein, indem sie den Umfang des Anwendungsbereiches der verschiedenen Normen darstellt und zeigt, wie die einzelnen Normen gegenseitig in Beziehung zueinander stehen. Sie dient auch der Strukturierung, der Harmonisierung und der Entwicklung von Normen für die GPS durch das Technische Komitee ISO/TC 213.

DIN EN ISO 8015:2011 – GPS-Konzepte, -Prinzipien, -Regeln

Die DIN EN ISO 8015 wurde im September 2011 in einer neuen Fassung veröffentlicht. Die Zuordnung im ISO-GPS-System wurde geändert. Sie gehört jetzt zu den „fundamentalen“ Grundnormen und beeinflusst damit alle anderen Normen im ISO-GPS-System.

Im Titel der Norm werden die Begriffe „Konzepte“, „Prinzipien“ und „Regeln“ genannt.  Diese Begriffe sprechen sowohl haftungsrelevante Aspekte als auch allgemeine Regeln der Technik an und legen diese letztlich fest. In der Norm sind „Konzept“, „Prinzip“ und „Regel“ wie folgt erklärt:

  • Konzept: Abstrakte Idee
  • Regel: Genormtes Verfahren
  • Prinzip: Genormte, allgemein anerkannte Wahrheit. Sie beruht auf Konzepten und Regeln.

GPS-Normen Matrix

Grundsätze von DIN EN ISO 8015:2011

Die Formulierung von 13 elementaren Grundsätze ist ein wesentlicher Fortschritt der Norm. Die Grunsätze tragen dazu bei, die Möglichkeiten der Mehrdeutigkeit von technischen Produktspezifikationen zu reduzieren. Die Grundsätze möchte ich Ihnen hier gerne kurz erläutern:

5.1       Grundsatz des Aufrufens

Die Verwendung eines Teils des GPS-Systems führt automatisch zur Gültigkeit des gesamten GPS-Systems.

5.2       Grundsatz der GPS-Normenhierarchie

Die GPS-Normen unterliegen einer GPS-Normenhierarchie.

5.3       Grundsatz der bestimmenden Zeichnung

Nur Forderungen, die auf einer technischen Zeichnung festgelegt sind, können geltend gemacht werden.

5.4       Grundsatz des Geometrieelementes

Ein Werkstück besteht aus Geometrieelementen, die voneinander abgegrenzt sind und eine Beziehung zueinander haben.

5.5       Grundsatz der Unabhängigkeit

Die Eigenschaften eines Geometrielements oder eine Beziehung zwischen den Geometrieelementen sind unabhängig von anderen Anforderungen.

5.6       Grundsatz der Dezimaldarstellung

Nicht angegebene Dezimalstellen in Normen oder auf technischen Zeichnungen müssen als Nullen interpretiert werden.

5.7       Grundsatz der Standardfestlegung

Mit der GPS-Grundspezifikation wird ein vollständiger Spezifikationsoperator festgelegt.

5.8       Grundsatz der Referenzbedingungen

Alle GPS-Spezifikationen gelten bei den im GPS-System festgelegten Referenzbedingungen.

5.9       Grundsatz des starren Werkstücks

Dass Werkstück muss so starr sein, dass keinerlei Verformungen angenommen werden. Alle GPS-Spezifikationen beruhen auf diesem Zustand.

5.10     Grundsatz der Dualität

Der Spezifikationsoperator wird unabhängig von Messverfahren und Messgeräten und dem Verifikationsoperator festgelegt.

5.11     Grundsatz der Funktionsbeherrschung

Die Funktion kann mit dem Spezifikationsoperator nicht vollständig nachgebildet werden. Somit ist immer eine Mehrdeutigkeit in der Spezifikation im Vergleich zur Funktion vorhanden.

5.12     Grundsatz der allgemeinen Spezifikation

Eine allgemeine GPS-Spezifikation gilt nur für ein Geometrieelement oder eine Beziehung zwischen den Elementen, wenn keine individuelle GPS-Spezifikation angegeben wurde.

5.13     Grundsatz der Verantwortlichkeit

Der Konstrukteur ist verantwortlich für die Festlegung des Spezifikationsoperators und den Grad der Mehrdeutigkeit.

Eigenschaften eines Werkstückes und ihre Einordung in die GPS-Normenlandschaft

Eigenschaften von Werkstücken
Als DGQ-Messtechniker lernen Sie den Umgang mit diesen Normen in dem Lehrgang „Längenprüftechnik I: Längenprüftechnik I: Geometrische Produktspezifikationen (GPS) – Form- und Lagetoleranzen“ sowie in unserem neuen, zweitägigen Seminar „GPS für Entwickler und Konstrukteure“.


Die Inhalte dieses Blogs sind einem Vortrag entnommen, den Manfred Weidemann anlässlich eines Kundenforums der DGQ auf der Control 2017 gehalten hat. Das Ziel war, die Teilnehmenden für die Bedeutung der ISO-GPS-Normen zu sensibilisieren.
Manfred Weidemann ist DGQ-Trainer und Geschäftsführer von Quality Office. Quality Office betreut seit über 25 Jahren kleine und mittelständische Unternehmen in den Bereichen Qualitätsmanagement, Prozessoptimierung, Zeichnungsprüfung und Längenprüftechnik/Fertigungsmesstechnik.

Über den Autor:

Marco Rasper ist Produktmanager bei der DGQ Weiterbildung. Seit 2014 verantwortet er die Lehrgangsblöcke Qualitätssicherung und Fertigungsmesstechnik sowie Seminare rund um dieses Thema. Ihm ist es wichtig, seine Kunden für ihre Tätigkeit oder für ihre Karriere fit zu machen. Und freut sich, wenn seine Teilnehmer seine Trainings als Erlebnis einstufen. Außerdem treffen Sie ihn regelmäßig bei den Messen Control und METAV auf dem Stand der DGQ an. Marco Rasper ist Diplom-Pädagoge mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Erwachsenenbildung.

4 Kommentare bei “ISO-GPS: Ausgewählte Normen – eine Einordnung”

  1. 568794c5e789b5dc9cb25466ae10dff3 Hans-Werner Wenglorz sagt:

    Guten Tag Herr Rasper,

    was mich stutzig macht, ist, dass die Nr. DGQ Blog 31 | 05 bereits vergeben war: DGQ Blog 31 | 05 Wirkungsmessung und Nachweis zum „Umgang mit dem Wissen der Organisation“.

    Wie ist so etwas möglich, dass zwei unterschiedlich Themen mit einer Blog Nr. vergeben werden? Das ist bestimmt auch eine Qualitätsfrage.

    MfG

    1. a363bfd279d29b59e605c5c9122701db Marco Rasper sagt:

      Sehr geehrter Herr Wenglorz,
      danke für Ihren Kommentar und für Ihre interessante Beobachtung.
      Mit freundlichen Grüßen
      Marco Rasper

  2. fd620ad4ee22bf0f662993c63d7b1d02 sonja sagt:

    Vielen Dank Hr Rasper! das hilft mir bei meiner Arbeit sehr! Danke fürs Teilen!

  3. a363bfd279d29b59e605c5c9122701db Marco Rasper sagt:

    Sehr gern geschehen. Es folgen noch zwei weitere Beiträge, auf die Sie sich freuen können.
    Herzlichen Gruß

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